Religion "Wollen Muslime einen muslimischen Feiertag? Ich denke eher nicht."

Eren Güvercin, 37, arbeitet als freier Journalist und Autor. Er ist Gründungs- und Vorstandsmitglied der Alhambra Gesellschaft und Mitglied im Beirat des Forums für offene Religionspolitik.

"Die Debatte über einen muslimischen Feiertag ist eine Phantomdebatte. In der muslimischen Community war das kein Thema, das wurde erst durch die Aussage des Innenministers angestoßen. Die empörten Reaktionen aus der CSU, aber auch aus anderen politischen Lagern sind vielsagend und zeigen, wie allergisch manche auf die muslimische Realität in Deutschland reagieren.

Eren Güvercin

(Foto: privat)

Wollen Muslime einen muslimischen Feiertag? Ich denke eher nicht. Davor gibt es genug andere, relevantere Themen, die wir angehen müssen. Gerade vor dem Hintergrund der Probleme, mit denen Muslime in ihrem Alltag konfrontiert werden, wirken solche symbolischen Gesten eher wie ein Alibi. Wir brauchen keinen Feiertag, sondern eine Sensibilisierung im alltäglichen Leben, zum Beispiel im Bereich Arbeitssuche, Wohnungssuche und grundsätzlicher institutioneller Diskriminierung.

Debatten über ein nebensächliches Thema wie einen Feiertag bringen uns nicht weiter. Vielmehr arbeiten sich die üblichen Verdächtigen an so einem Thema künstlich ab, um ja nicht die relevanteren und brennenderen Fragen anzugehen."