Religion "Die Einführung religiöser Feiertage würde die Integration fördern"

Ali Zaherinezhad, 29, hat in London und Oxford Arabistik und Islamwissenschaften studiert. Er arbeitet als Islamwissenschaftler für die Uni Hamburg.

"Deutschland ist ein Staat, dessen Bürgerinnen und Bürger vielen verschiedenen Weltanschauungs- und Religionsgemeinschaften angehören. Trotzdem wurden ausschließlich die religiösen Feste der Christen zu staatlichen Feiertagen erklärt. Dem staatlichen Neutralitätsgebot des Grundgesetzes wird das nicht gerecht. Dieses Gebot konsequent umzusetzen, würde bedeuten, dass der Staat entweder gar keine religiösen Feiertage berücksichtigt - oder dass er auch die Feiertage kleinerer Religionsgemeinden umfasst. Dieser Anspruch - den grundlegenden Werten des Grundgesetzes gerecht zu werden - findet jedoch in der öffentlichen Debatte kaum Berücksichtigung. Zumindest dann nicht, wenn es nicht die sogenannten 'besorgten Bürger' sind, die ihre Grundrechte verletzt sehen.

Ali Zaherinezhad

(Foto: privat)

Auch sollte man sich vor Augen halten, wie sehr die Einführung religiöser Feiertage die Integration von Minderheiten fördern würde. Es wäre ein unmissverständliches Zeichen, dass wir als Gesellschaft der gegenseitigen Wertschätzung, Teilhabe und Zugehörigkeit hohe Priorität beimessen.

Vor dem Hintergrund des Ergebnisses der Bundestagswahl und dem weiter anwachsenden Rechtsruck in Teilen der parteipolitischen Landschaft bezweifle ich allerdings, dass die Vermittlung dieser Botschaft gerade hoch im Kurs steht. Das ist nicht nur traurig für die Angehörigen einer bestimmten religiösen Minderheit, sondern geht auch zu Lasten des gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalts."