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Religion:"Kompromiss: Ein flexibler Feiertag pro Jahr?"

Maria Zepter, 64, Psychotherapeutin, lebt seit dreißig Jahren in München und ist seit 1980 aktives Mitglied des islamischen Sufiordens Burhaniya.

"Grundsätzlich finde ich de Maizières Vorschlag interessant. Es wäre doch ein schönes Zeichen der interkulturellen Verständigung, wenn Nicht-Muslime sich mit Muslimen über diesen freien Tag freuen könnten. Vielleicht könnte es auch gemeinsame Aktionen und Feiern auf öffentlichen Plätzen geben, sodass man etwas über die Kultur des Anderen lernen kann.

Maria Zepter, Tariqa Burhaniya

Maria Zepter

(Foto: privat)

Ich sehe allerdings auch ein paar technische Probleme. Weil sich die muslimischen Feiertage nach dem Mondkalender richten, verschieben sie sich im Sonnenjahr jedes Jahr um zehn bis elf Tage. Das heißt, man könnte nicht einfach ein beliebiges Datum festlegen, an dem Muslime jedes Jahr frei haben.

Gleichzeitig berechnen auch die Muslime selbst die Feiertage nach zwei verschiedenen Methoden. Die meisten machen es auf dieselbe Art und Weise, die schon der Prophet Mohammad angewandt hat: Erst wenn sie den Neumond am Himmel sehen, wissen sie, dass der islamische Fastenmonat Ramadan zu Ende ist und das mehrtätige Fest des Fastenbrechens beginnt. Andere folgen den astronomischen Berechnungen eines Zusammenschlusses verschiedener islamischer Länder. Diese veröffentlichen schon Jahre im Voraus die Daten der Feiertage für die kommenden Jahre. Ich vermute, dass die Muslime in Deutschland es also gar nicht so leicht fänden, sich auf ein Datum für einen muslimischen Feiertag zu einigen. Auch wenn das ein Problem ist, das sich sicherlich lösen ließe.

Einen muslimischen Feiertag einzuführen, würde sicherlich für einigen Zündstoff sorgen - wenn dann zum Beispiel konservative Christen an einem muslimischen Feiertag frei hätten. Ich könnte mir deshalb auch einen Kompromiss vorstellen: Schon jetzt ist es so, dass muslimische Schulkinder drei Tage im Jahr freinehmen dürfen, um islamische Feiertage zu feiern. Für Arbeitnehmer gilt das nicht, sie müssen Urlaub nehmen, um mit ihrer Familie feiern zu können. Toll fände ich deshalb, wenn Muslime einen "flexiblen" Feiertag pro Jahr erhalten würden. Einen Tag anlässlich des Fastenbrechfestes am Ende des Ramadans oder des Opferfestes, dessen Datum sie selbst auswählen und an dem sie bezahlt zu Hause bleiben dürfen."