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Religion:"Überraschend ist nur, dass der Vorschlag von einem CDU-Mitglied kam"

Mohammed Belal El-Mogaddedi, 59, ist Vorsitzender der Deutschen Muslim Liga, der ältesten islamischen Vereinigung in Deutschland, die ohne Unterbrechung existiert.

"Der Vorschlag des Innenministers, einen muslimischen Feiertag in Regionen mit hohem muslimischen Bevölkerungsanteil einzuführen, ist nicht neu. Bereits im Jahr 2004 und im Jahr 2010 hatte der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele eine ähnliche Anregung gegeben. Damals ergoss sich über ihn - über alle Parteigrenzen hinweg - eine Flut von negativer Kritik. Herrn de Maizière ist es nun ähnlich ergangen. Überraschend ist an dem aktuellen Vorschlag also eigentlich nur, dass er von einem CDU-Mitglied kam.

Mohammed Belal El-Mogaddedi

Mohammed Belal El-Mogaddedi

(Foto: privat)

Die herbe Kritik belegt, dass auch im Jahr 2017 Muslimen und ihrer Religion von Seiten der Politik hauptsächlich mit Abneigung begegnet wird. Ob die vehemente Ablehnung etwas mit den Wahlerfolgen einer Partei zu tun hat, die ein sehr eingeschränktes Weltbild propagiert, vermag ich nicht zu sagen. Aber diese Möglichkeit lässt sich nicht ausschließen und das wäre noch beunruhigender.

Deutschland scheint ein Problem mit dem Islam im öffentlichen Raum zu haben und nicht wenige Politiker weigern sich, die kulturellen Veränderungen in unserer Gesellschaft zu akzeptieren. Mir würde es schon reichen, wenn ich keinen Urlaubstag opfern müsste, um ein religiöses Fest in Deutschland zu feiern. Gleiches sollte auch anderen Religionsgemeinschaften in Deutschland zugebilligt werden, wie z.B. dem Judentum. Wir sind leider noch immer weit entfernt davon, eine offene Zivilisation zu werden. Diese unsäglichen Diskussionen um den Platz der Muslime im öffentlichen Raum sind eines hochentwickelten Landes wie Deutschland sehr unwürdig.

Übrigens, als ich vor einigen Jahren zur Weihnachtszeit den Iran bereiste, liefen am 24. Dezember in den staatlichen Fernsehanstalten Sonderprogramme für die Christen des Landes. Also, etwas mehr Gelassenheit und weniger Untergangs-Hysterie täte uns allen in Deutschland wirklich gut."