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Niedersachsen:Waldarbeiter finden Erdbunker mit Hinterlassenschaften der RAF

Die Terrorgruppe hatte sich 1998 aufgelöst. Mehr als 20 Jahre später taucht nun ein Fass mit Dokumenten und Flüssigkeiten auf, das die Terroristen wohl vor Jahrzehnten dort vergraben haben.

In einem Wald bei Seevetal in Niedersachsen ist ein Erddepot entdeckt worden, in dem sich möglicherweise Hinterlassenschaften der Roten Armee Fraktion (RAF) befinden. In einem vergrabenen Kunststoff-Fass wurden unter anderem Schriftstücke aus den achtziger Jahren und Behältnisse mit zunächst unbekannten Flüssigkeiten sichergestellt, wie das Landeskriminalamt Niedersachsen am Samstag mitteilte. Waffen wurden nicht gefunden.

Nach erster Bewertung des Schriftmaterials sei ein Bezug zur RAF nicht auszuschließen, hieß es. Die Terrorgruppe war Anfang der siebziger Jahre aus der sich teilweise radikalisierenden 68er-Bewegung hervorgegangen. Die Terroristen verübten Anschläge auf militärische Einrichtungen sowie auf Spitzenpolitiker, anfangs politisch motiviert, später allein mit dem Ziel, andere, bereits inhaftierte Terroristen freizupressen.

Im Jahr 1977, in jener Zeit, die später als "Deutscher Herbst" in die Geschichte einging, gab es eine Serie von Terrorakten. Entführt und später von den Terroristen getötet wurde etwa der damalige Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer. Insgesamt ist die RAF für mehr als 30 Morde, mehrere Geiselnahmen und Sprengstoffanschläge sowie für etliche Banküberfälle verantwortlich. Zahlreiche Mitglieder wurden verhaftet und zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Drei Mitglieder der ersten RAF-Generation begingen 1977 nach der gescheiteren Schleyer-Entführung im Gefängnis in Stuttgart-Stammheim Suizid.

1998 löste sich die RAF auf, doch drei ehemalige Mitglieder - Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette - sind noch immer auf der Flucht und werden polizeilich gesucht. Sie sollen in den vergangenen Jahren mehrere Überfälle auf Geldtransporter begangen haben, um ihr Leben im Untergrund zu finanzieren.

Gefunden wurde das Fass im Wald am Freitagnachmittag von Arbeitern, die mit Baumschnittarbeiten beschäftigt waren. Sie verständigten die Polizei, nachdem sie einen ersten Blick auf das Material geworfen hatten.

Experten des LKA überprüften noch am Ort den Inhalt des Fasses auf gefährliche Stoffe. Das Waldgebiet um den Fundort herum hat die Polizei weiträumig nach möglichen weiteren Depots durchsucht, es wurde aber nichts entdeckt. Die in dem Fass gefundenen Gegenstände sollen nun durch Expertinnen und Experten im LKA begutachtet werden. Möglicherweise könne man noch DNA oder Fingerabdrücke an den Schriftstücken nachweisen, sagte eine LKA-Sprecherin am Samstagabend. .

Aufgrund des Alters der Gegenstände wird aktuell davon ausgegangen, dass sich aus diesen keine Hinweise auf den Aufenthalt der drei noch gesuchten RAF-Mitglieder ergeben.

© SZ
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