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Prozess um vermeintliche Vergewaltigung:Lehrerin hält an Vorwürfen fest

Fünf Jahre lang hat ein Lehrer unschuldig im Gefängnis gesessen. Nun muss sich die Kollegin, die ihn der Vergewaltigung bezichtigt hatte, vor Gericht verantworten. Beim Prozessauftakt hält die Lehrerin jedoch an ihrer Version fest. Egal, wie die Sache ausgeht - Horst A. wird es nicht mehr erleben.

Er hat fünf Jahre im Gefängnis verbüßt - für eine Straftat, die er nie begangen hatte: 2001 behauptete Heidi K., dass Biologielehrer Horst A. sie vergewaltigt habe. Er habe sie im Biologie-Vorbereitungsraum der Schule im hessischen Reichelsheim missbraucht, so erzählte es die damals 36-jährige Heidi K. Die Richter am Darmstädter Landgericht glaubten ihr.

Nun steht die Lehrerin selbst vor Gericht. Beim Prozessauftakt in Darmstadt hielt die 48-Jährige jedoch an ihrem Vorwurf fest. Den Tathergang habe sie noch "sehr präsent im Gedächtnis", sagte das vermeintliche Opfer aus.

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass die Frau es auf den Posten von Horst A. abgesehen hatte und ihn deshalb der Vergewaltigung beschuldigte. "Wir gehen davon aus, dass die ganze Geschichte frei erfunden ist", sagte die zuständige Staatsanwältin zu Beginn der Verhandlung.

Der Biologielehrer stritt damals die Tat ab, wurde aber dennoch zu fünf Jahren Haft verurteilt. Erst nachdem er seine volle Strafe bereits abgesessen hatte, wurde er in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen - die Behauptungen von Heidi K. seien damals "von vorn bis hinten" erlogen gewesen, urteilte das Gericht 2011.

Für Horst A. kam die Rehabilitation zu spät: Knapp ein Jahr nach seiner Entlassung verstarb der Lehrer an Herzversagen.

© Süddeutsche.de/AFP/kad
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