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Prozess in Rom:Papst Franziskus begnadigt Vatileaks-Priester

Der Priester Lucio Ángel Valljo Balda, hier mit unbekannter Begleitung, hat gestanden Vatikan-Interna "geleakt" zu haben.

(Foto: Umberto Pizzi/AFP)

Der Mann hatte vertrauliche Dokumente über die Finanzen im Kirchenstaat weitergegeben. Nach fünf Monaten wird er vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen.

Wer bekommt was aus dem Klingelbeutel? Das fragten sich Gläubige und Agnostiker gleichermaßen. Vonseiten der Kirche gab es stets Schweigen. Seit November 2015 ist die Öffentlichkeit ein wenig schlauer. Die sogenannten "Vatileaks 2.0", geheimgehaltene Finanzbücher aus einer Wirtschaftsprüfungskommission des Kirchenstaats, hatten Einblicke in die Geldgeschäfte der katholischen Kirche gegeben. Einer der Angeklagten im Fall um die Enthüllungen wurde am Dienstag überraschend vom Papst begnadigt.

Papst Franziskus habe eine sofortige Freilassung des spanischen Priesters Lucio Ángel Vallejo Balda auf Bewährung bewilligt, teilte der Vatikan mit. Die Entscheidung des katholischen Kirchenoberhaupts sei ein Akt der Gnade.

Balda war im Juli zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er Journalisten geheime Dokumente über Geldverschwendung im Vatikan zugespielt hatte. Nach fünf Monaten darf er nun das Gefängnis wieder verlassen. Baldas ehemalige Mitarbeiterin, die italienische Papst-Vertraute Francesca Chaouqui, war ebenfalls angeklagt. Sie wurde zu einer zehn Monate langen Bewährungsstrafe verurteilt.

Zwei Journalisten standen ebenfalls vor Gericht. Auf Grundlage der vertraulichen Dokumente hatte sie Bücher veröffentlicht, in denen sie dem Vatikan einen maßlosen Umgang mit Kirchengeldern und Korruption vorwerfen. Die Männer wurden freigesprochen. Der Vatikan stand wegen des Prozesses in der Kritik, die Pressefreiheit zu missachten.