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Prozess gegen Pädagogen:"Maskenmann" bestreitet weitere Morde

"Ich wusste von allen Kindern, die mitfuhren, wo sie wohnten": Das Vernehmungsprotokoll des Jungenmörders Martin N. offenbart, wie der Angeklagte seine Opfer suchte, wie akribisch er bei seinen Taten vorging. Nach dem dritten Mord sei aber "Schluss gewesen".

"Ich glaube, wir haben jetzt alles aufgeschrieben, was ich angestellt habe": Am vierten Verhandlungstag im Prozess gegen den mutmaßlichen Kindermörder Martin N. ist vor dem Landgericht Stade das polizeiliche Vernehmungsprotokoll vorgelesen worden. Mehr als drei Morde will Martin N. nicht begangen haben: "Danach war Schluss." Nach der Tat 2001 habe er sich geschworen, "nie wieder in ein Schullandheim oder Zeltlager zu gehen".

Er habe sich nie vorgenommen, jemanden umzubringen. Der heute 40 Jahre alte Martin N. hat vor Gericht drei Morde und sieben Missbrauchsfälle an Kindern zugegeben. Zu seinen Opfern gehören der 13-jährige Stefan J., der achtjährige Dennis R. und der neun Jahre alte Dennis K.

Ursprünglich war geplant, an diesem Mittwoch den Mord an Dennis R. in den Mittelpunkt zu stellen. Das Kind war im Juli 1995 aus einem Zeltlager bei Schleswig verschwunden. Seine Leiche wurde zwei Wochen später in einer Düne in Dänemark gefunden. Dennis' Vater aus Lippstadt in Nordrhein-Westfalen forderte lebenslang für Martin N. und, dass er nie wieder entlassen werde. Er vermisse seinen Sohn noch immer sehr.

Dennis sei ein aufgewecktes Kind gewesen, aber nachts ein Angsthase. "Er wäre nie so mitgegangen." Die Mutter des Jungen war aus gesundheitlichen Gründen nicht im Gericht erschienen. Der Angeklagte fuhr dem Vernehmungsprotokoll zufolge mit Dennis nach Dänemark, weil er gern dorthin wollte. Deshalb sei er mit dem Jungen für einige Tage in ein Ferienhaus gefahren, sagte Martin N. "Wir haben Ausflüge gemacht, haben Eis gegessen und wie Vater und Sohn gelebt."

Sexuell missbraucht habe er das Kind nicht. Genau schildert Martin N. bei der Vernehmung, wie er den Jungen tötete. "Irgendwie bin ich einfach hin und habe ihm den Hals zugedrückt."

Der lange als "Maskenmann" gesuchte Martin N. hatte in seinem Geständnis bei der Polizei auch ausführlich seine nächtlichen Besuche in Kinderzimmern geschildert, unter anderem in Bremen und Delmenhorst. Es seien oft reine Zufallsbekanntschaften gewesen. Er habe die Jungen auf der Straße gesehen. Wenn sie ihm gefielen, sei er hinterhergegangen, um zu sehen, wo sie wohnen. Doch auch Jungen, die er als Betreuer von Freizeiten kannte, überfiel er nachts. "Ich wusste von allen Kindern, die mitfuhren, wo sie wohnten."