bedeckt München
vgwortpixel

Prozess gegen Nadja Benaissa:"Angst vor dem Knast"

Am zweiten Verhandlungstag behauptet ein früherer Liebhaber der No-Angels-Sängerin, Nadja Benaissa habe ihm gebeichtet, ungeschützten Sex mit anderen Männern gehabt zu haben. Indes rechnet nicht einmal der Nebenkläger mit einer Gefängnisstrafe für den Popstar.

Sie steht vor Gericht, weil sie einen Mann mit HIV infiziert haben soll. Doch nach dem zweiten Verhandlungstag sieht alles danach aus, dass Nadja Benaissa, Sängerin bei den No Angels, zumindest keine Gefängnisstrafe befürchten muss. "Eine Bewährungsstrafe ist realistisch", sagte Anwalt Hans-Dieter Henkel, der in dem Prozess den 34 Jahre alten Mann vertritt, den die Sängerin infiziert haben soll.

Benaissa German pop singer with the girlband 'No Angels' awaits the start of her trial in a courtroom in Darmstadt

Am zweiten Verhandlungstag belastete ein früherer Liebhaber Nadja Benaissa. Ihren Band-Kolleginnen wird eine Aussage vor Gericht vermutlich erspart bleiben. 

(Foto: REUTERS)

Der Strafrahmen von bis zu zehn Jahren werde sicher nicht ausgeschöpft, sagte der Jurist nach Ende des zweiten Verhandlungstages vor dem Amtsgericht Darmstadt.

Indes sieht auch alles danach aus, dass Nadja Benaissas Bandkolleginnen nicht vor Gericht aussagen müssen. Staatsanwalt Peter Liesenfeld rechnet ebenso wie Verteidiger Oliver Wallasch und Nebenkläger Henkel nicht damit, dass Sandy Mölling, Jessica Wahls und Lucy Diakowska vor Gericht erscheinen müssen. "Ich gehe davon aus, dass wir sie nicht benötigen müssen", sagte Liesenfeld. "Ich glaube Benaissa in vielen Punkten."

Am zweiten Prozesstag, der überwiegend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, waren weitere Ex-Liebhaber des Popstars geladen.

Ein Fall von versuchter Körperverletzung wurde inzwischen eingestellt. "Der Prozess verschlankt sich ein wenig", sagte Benaissas Verteidiger Wallasch. "Nadja Benaissa ist etwas gelöster geworden. Nach dem ersten Prozesstag fällt die Anspannung etwas ab", beschrieb er die Stimmung des Popstars.

Benaissa war auch am Donnerstag überpünktlich im Gerichtssaal erschienen. Sie trug eine weiße Tunika-Bluse und Jeans.

An diesem zweiten Verhandlungstag wurde auch die Aussage eines weiteren Ex-Partners der Sängerin verlesen. Der Musikproduzent - er will mit der Sängerin nur Sex mit Kondom gehabt haben - hatte zu Protokoll gegeben, Benaissa habe ihre HIV-Infizierung anfangs abgestritten. Als er jedoch zufällig Medikamente in ihren Sachen entdeckt hatte, habe er sie zur Rede gestellt. Unter "Heulkrämpfen" habe sie ihm dann gebeichtet, "Angst vor dem Knast" zu haben, weil sie ungeschützten Geschlechtsverkehr mit anderen Männern gehabt habe.

Benaissa hatte bereits zum Prozessauftakt zugegeben, trotz einer ihr bekannten HIV-Infektion mit mehreren Männern ungeschützten Sex gehabt zu haben. "Es tut mir von Herzen leid. Ich wollte das nicht. Ich hatte die Kontrolle verloren", sagte sie am ersten Verhandlungstag.

Benaissa soll zwischen 2000 und 2004 in fünf Fällen Sex ohne Kondom mit drei Männern gehabt zu haben. Einen der Männer soll sie angesteckt haben. Die Sängerin muss sich wegen gefährlicher und versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sie steht vor einem Jugendschöffengericht, da sie beim ältesten Tatvorwurf aus dem Jahr 2000 erst 17 Jahre alt war.

Die Anklage setzt auf ein Gutachten, das eine Ansteckung des 34 Jahre alten Mannes durch Benaissa untermauern soll. Ein Urteil wird für Donnerstag nächster Woche erwartet. Insgesamt sind fünf Prozesstage terminiert.