Prozess gegen Drahtzieher im Internet Missbrauchs-Täter unter sich

Im neuen Love Board, das Christian B. zunächst auf einem russischen Server einrichtet und später in das besonders abgeschottete Tor-Netzwerk übersiedelt, gibt es nicht nur die sonst in der Szene üblichen Rubriken für Hardcore-Bilder oder Fotos mit Babys. Es gibt eine fein gestaffelte Hierarchie, bei der das Grauen mit der Position des Mitglieds wächst.

Wer volles Mitglied werden will, muss mindestens 50 Megabyte an Kinderporno-Dateien vorweisen. Mit 666 Megabyte wurde man VIP, hatte größeren Zugriff auf mehr Bilder. Und wer gerade selbst ein Kind missbrauchte, der wurde auch zum Super-VIP und erhielt Zugriff auf eine "Producer's Lounge", den innersten Kern.

Hier waren die Missbrauchs-Täter unter sich, und Christian B. ermöglichte es ihnen. Hier teilte Anfang 2011 zum Beispiel ein Nutzer namens Firestorm mit, er plane eine neue Bilderserie, ob es Wünsche gebe. Und die Mitglieder, darunter laut Anklage auch der Hesse, zögerten nicht mit Vorschlägen: Eine Fesselung wäre toll, oder eine Szene in Schuluniform. So geschah es. Es war quasi Missbrauch auf Bestellung.

Bislang völlig unbescholten

Wer hier Mitglied werden wollte, musste auf Wunsch von Christoph B. neben einem nackten Kind einen handgeschriebenen Zettel in die Kamera halten, auf dem der Namen der Internet-Seite stand. Zum Beweis, dass die Bilder frisch sind.

"Das war völlig neu zu diesem Zeitpunkt", sagt Ermittler May, der schon viel sehen musste. Einen der Täter haben die Fahnder inzwischen in Mexiko verhaftet, einen auf Mallorca. Und in Hessen erwischten sie Christian B., 34 Jahre alt, bisher völlig unbescholten.

Er machte Abitur auf einer katholischen Privatschule, Zivildienst als Sanitäter, ein Praktikum in Taiwan. Er sitzt da in Anzug und Krawatte, tadellos. Ist so etwas wie Einsicht erkennbar? Christian B. sagt, dass er schon immer auf zierliche Frauen stand, aber Kleinkinder, nein, auf keinen Fall. "Ist das Ihr Ernst?", fragt der Vorsitzende Richter Jens Aßling. "Das ist mein Ernst", behauptet der Angeklagte. Es gibt eine Pause, Verteidiger Udo Vetter redet mit seinem Mandanten.

Danach erzählt der Student etwas mehr, dass sein Interesse bei zehnjährigen Mädchen anfange, dass er oft zehn Stunden im Netz war, um seine Seiten zu pflegen, "das war für mich wie so 'ne Ersatzwelt". Im echten Leben klappte nichts, einen Job bei einer Unternehmensberatung verlor er, die Diplomarbeit kam nicht voran. "Im Netz hatte ich das Gefühl, etwas aufgebaut und geschafft zu haben." Jetzt, sagt er, wolle er sich in Therapie begeben.