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Prostitution in Zürich:Prostituierte fürchten Geschäftsschädigung

Alles andere als begeistert von der Neuerung ist die wohl wichtigste Personengruppe: die Sex-Arbeiterinnen. "Die Sexbox taugt nichts", zitierte die Pendlerzeitung 20 Minuten eine Prostituierte, die für viele Kolleginnen sprach. Am Sihlquai hätten Freier häufig eine ganze Nacht bei sich zu Hause gebucht: "Ein gutes Geschäft." Das aber falle hier weg. Außerdem würden die Regeln schüchterne Freier abschrecken.

Strengere Auflagen für Bordelle

Weil man sich mit dem Strichplatz schon auf einem richtigen Weg wähnte, erließen die Zürcher Stadtväter dann auch gleich noch eine Reihe von Vorschriften, mit denen die Prostitution generell geregelt werden soll. Betroffen davon sind vor allem die Bordelle, von denen im Stadtgebiet mehr als 200 gemeldet sind. Doch obwohl das neue Regelwerk schon in wenigen Monaten 2014 in Kraft tritt, hat bisher nur ein einziges Freudenhaus die künftig notwendige Betriebsbewilligung erhalten. Die Puff-Betreiber - meist sind es Prostituierte selber - müssen in einem aufwendigen und teuren Verfahren nachweisen, dass der Anteil der Wohnbevölkerung in ihrer Nachbarschaft unter 50 Prozent liegt. Das gelingt den wenigsten, die meisten scheuen ohnehin den Aufwand und werden folglich Anfang nächsten Jahres schließen und in andere Gemeinden umziehen oder illegal weiter arbeiten.

Das mag manche erfreuen in einer Stadt, die nicht immer ganz verleugnen kann, dass in ihren Mauern einmal der Puritaner Ulrich Zwingli predigte. Doch unfreiwillig durchkreuzt sie mit dem engherzigen Regelwerk ihre eigene Politik, die eigentlich darauf abzielt, käuflichen Sex von der Straße weg und in Bordelle zu verlegen. Denn künftig soll es in der schweizerischen Finanz- und Wirtschaftsmetropole nur noch zwei Straßenstriche geben.

Immerhin ist eine Verschönerung für den Strichplatz geplant. Der Erdhügel soll von der Stadtgärtnerei bepflanzt werden. Für Blümchensex.

© SZ vom 24.08.2013/cam
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