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Promiblog zum Exilfranzosen:Depardieu und der Despot

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Gérard Depardieu und sein großzügiger Freund, der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow.

(Foto: Süddeutsche.de/Reuters)

Komm in meinen Arm, Kadyrow: Gérard Depardieu hat in seinem neuen Lieblingsland Tschetschenien bereits eine Freundschaft geschlossen. Der umstrittene Herrscher bedankt sich dafür mit einem großzügigen Geschenk.

"Zu Dionys dem Tyrannen schlich Damon, den Dolch im Gewande", beginnt das wohl berühmteste Gedicht über die Freundschaft zu einem Despoten. Nun ist Gérard Depardieu Franzose und Russe, aber kein Sizilianer und einen Dolch hatte der 64-Jährige nach allem, was bekannt ist, auch nicht dabei. Und der Schauspieler musste - anders als der Held bei Friedrich Schiller - nicht erst seine selbstlose Treue mit einer Heldentat beweisen, um das Herz des Tyrannen zu erweichen.

Im Gegenteil: Ramsan Kadyrow, höchst umstrittener Machthaber von Tschetschenien, kam von ganz alleine. Am Sonntag holte er den seit kurzem in der Demokratiestraße 1, Saransk, wohnhaften Schauspieler persönlich vom Flugzeug ab und bat ihn an eine opulente Tafel. Geschenke hatte der 36-jährige Politiker auch mitgebracht: die Ehrenbürgerwürde von Grosny und den Schlüssel zu einer Fünf-Zimmer-Wohnung in der wiederaufgebauten Hauptstadt gleich dazu.

In der islamisch geprägten Teilrepublik im Nordkaukasus leben viele Menschen unter ärmlichsten Verhältnissen. Seine Kritiker bringen Kadyrow mit Auftragsmorden und massiven Menschenrechtsverstößen in Verbindung.

Depardieu, der seit der französischen Diskussion um eine erhebliche Reichensteuer in Russland residiert, will derlei nicht hören. Nicht über Russland. Und auch nicht über Tschetschenien: "Mir gefällt Tschetschenien sehr gut. Hier leben offene warmherzige Leute", sagte Depardieu. "Ich sage allen, dass Russland ein offenes Land ist mit großartigen Traditionen und einer reichen Kultur. Um sich eine Meinung bilden zu können, muss man hier sein und darf nicht überholte Vorurteile verbreiten."

So gut gefällt es Depardieu offenbar in Tschetschenien, dass er ankündigte, einen Film über Grosny drehen zu wollen. Damit ist Langeweile in seinem Steuer-Asyl schonmal ausgeschlossen; Der große Mann des französischen Kinos dürfte in naher Zukunft ziemlich beschäftigt sein. In Saransk, so kündigt die dortige Stadtverwaltung an, will er demnächst ein Lokal eröffenen. Was Depardieu, der in Frankreich bereits mehrere Restaurants betreibt, seinem Kumpel Kadyrow vorsetzen wird, wenn der vorbeikommt, ist allerdings noch nicht bekannt. Wildschwein? Kaviar? Zumindest keinen Schierlingsbecher; das dürfte angesichts der Eintracht ausgeschlossen sein.