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Kriminalität:Polizei-Mitarbeiter unter Kinderpornografie-Verdacht

Die "Neue Westfälische" berichtet, der Polizeimitarbeiter habe Datenträger wie etwa USB-Sticks für die Ermittler aufbereitet.

(Foto: Daniel Hofer)
  • Ein Regierungsbeschäftigter sollte die Polizei in Paderborn bei ihren Ermittlungen auch gegen sexuellen Kindesmissbrauch unterstützen. Nun wird er selbst verdächtigt, kinderpornografisches Material zu besitzen.
  • Die Polizei in Paderborn teilte mit, der 34-jährige Mitarbeiter sei mit sofortiger Wirkung freigestellt worden.

Ein Polizei-Mitarbeiter in Paderborn wird verdächtigt, kinderpornografisches Material zu besitzen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Detmold sagte auf dpa-Anfrage am Donnerstag, es werde "wegen Kinderpornografie gegen einen Regierungsbeschäftigten der Kreispolizeibehörde Paderborn" ermittelt. Die Polizei in Paderborn teilte zeitgleich mit, der 34-jährige Mitarbeiter sei mit sofortiger Wirkung freigestellt worden.

Hinweise gegen den Mann "wegen des Verdachts auf den Besitz von Kinderpornografie" hätten sich erhärtet. Bei einer internen Untersuchung habe sich herausgestellt, dass gegen ihn ein Strafverfahren im Kreis Lippe anhängig sei. Laut Westfalen-Blatt soll der Verdächtige dort in einem Freibad selbst "entsprechende Fotos" angefertigt haben. Deshalb sei bereits gegen ihn ermittelt worden - darüber habe der 34-Jährige im Bewerbungsgespräch aber keine Angaben gemacht.

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Mehrere Verdächtige sollen über die Plattform kinderpornografisches Material ausgetauscht haben. Die Ermittler konnten die Seite abschalten.

Der Mann war laut Polizei erst im Juli als IT-Ermittlungsunterstützer in der Direktion Kriminalität eingestellt worden. Laut Westfalen-Blatt war er als "Auswerter" von kinderpornografischem Material eingesetzt worden, um die Ermittlungen zu unterstützen. Die Neue Westfälische berichtet, der Mann habe Datenträger wie etwa USB-Sticks für die Ermittler aufbereitet. Dabei habe er nicht nur, aber auch mit kinderpornografischem Material zu tun gehabt. Nach Informationen des Westfalen-Blatts wurde der Mann erst vor wenigen Monaten eingestellt, als die Polizei in NRW die Zahl der Ermittler im Kampf gegen Kinderpornografie mehr als verdoppelt hat. Die landesweite Aufstockung der Ermittler war eine Konsequenz aus dem Missbrauchsfall von Lügde. Ein Paderborner Polizeisprecher betonte: "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass er sich über uns Material besorgt haben könnte."

Auf die Frage, warum der 34-Jährige nicht bei einer Überprüfung vor der Einstellung aufgefallen sei, sagte der Polizeisprecher, im polizeilichen Führungszeugnis habe "nichts Entsprechendes" gestanden. Aus dem Innenministerium hieß es allerdings, dass im entsprechenden Bundeszentralregister nur rechtskräftige Verurteilungen aufgeführt werden, Ermittlungen nicht.

Bei Regierungsbeschäftigten handele es sich um Mitarbeiter, die zur Unterstützung der Polizei vom Land bezahlt würden, sagte Ministeriumssprecher Wolfgang Beus. Die Entscheidung, wer für welche Tätigkeit eingestellt werde, treffe aber immer die Polizeibehörde vor Ort.

Bereits im März hatte die Polizeibehörde Paderborn einen damals 53-jährigen Polizeihauptkommissar suspendiert, weil er kinderpornografisches Material besessen haben soll. Das Amtsgericht Paderborn berichtete am Donnerstag auf Anfrage, dieser Polizeibeamte sei vor einigen Wochen wegen Besitzes und Verschaffens kinder- und jugendpornografischer Dateien in drei Fällen zu einer Geldstrafe - nämlich 160 Tagessätzen zu je 50 Euro - verurteilt worden.

Missbrauchsfälle von gewaltigem Ausmaß

Im aktuellen Verdachtsfall hat die Polizei bereits Schritte eingeleitet, um das Arbeitsverhältnis mit dem Mann zu beenden. "Wir haben umgehend gehandelt", betonte der Sprecher. Man beschäftigte noch drei weitere externe IT-Ermittlungsunterstützer. Laut Innenministerium wird die Paderborner Behörde "nacharbeiten" müssen, wie der 34-Jährige eingestellt werden konnte "und wie sich die Wiederholung eines solchen Falles künftig verhindern lässt".

In der Vergangenheit waren erschütternde Missbrauchsfälle von gewaltigem Ausmaß bekannt geworden. Die Ermittler stehen vor enormen Aufgaben. Erst vor wenigen Wochen war - ausgehend von einer Festnahme in Bergisch Gladbach - ein Fall aufgedeckt worden, bei dem Verdächtige aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz auch ihre eigenen Kinder sexuell missbraucht haben sollen. Sie sollen Fotos und Videos von den Gewalttaten in Chat-Gruppen mit bis zu 1800 Mitgliedern verbreitet haben. Es gab bisher zehn Festnahmen.

Im Fall Lügde waren vor Kurzem zwei Männer zu hohen Freiheitsstrafen mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Sie hatten Kinder und Jugendliche in mehreren Hundert Fällen auf dem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen sexuell missbraucht und das zum Teil auch gefilmt.

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