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Pakistan:Mehr als 200 Tote bei Bränden in Textilfabriken

Bei zwei Bränden in einer Bekleidungs- und einer Schuhfabrik in Pakistan sind viele Menschen ums Leben gekommen, einigen Meldungen zufolge mehr als 200. Die Gebäude verfügten nicht über die notwendigen Fluchtwege.

Bei Bränden in zwei pakistanischen Fabriken sind möglicherweise Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Zunächst war in den Nachrichtenagenturen von knapp 100 Toten die Rede, inzwischen soll sich die Zahl der Opfer jedoch stark erhöht haben. Bis zu 250 Menschen könnten ums Leben gekommen sein.

Vor allem das Feuer in einer Kleiderfabrik in der südlichen Küstenstadt Karachi sei offenbar verheerend gewesen. Allein dort sind nach dapd-Angaben 166 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten Opfer seien erstickt, weil sie nicht aus dem Keller des Gebäudes fliehen konnten, sagte der Chef der örtlichen Feuerwehr.

Es habe keine Notausgänge in dem Gebäude gegeben und die Türen zum Keller seien versperrt gewesen. Einige der Opfer seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, sagte der Einsatzleiter. Das pakistanische Fernsehen zeigte Videoaufnahmen von dem fünfstöckigen Gebäude, aus dem die Flammen schlugen.

Etliche Arbeiter seien zudem bei einem Brand in einer Schuhfabrik der Großstadt Lahore ums Leben gekommen. Einige seien erstickt, während andere bei lebendigem Leib verbrannt seien, hieß es von der Polizei. Etliche Menschen wurden verletzt. Das Feuer brach aus, als nach einem Stromausfall in der Fabrik versucht wurde, den Generator einzuschalten. Funken kamen mit Chemikalien in Kontakt und setzten sie in Brand.

Die Fabrik in Karachi fing am Dienstagabend Feuer, als nach Schätzungen der Behörden etwa 450 Angestellte in dem Gebäude waren. Dort wird rund um die Uhr gearbeitet. Ein AFP-Fotograf berichtete, dass Rettungskräfte die ganze Nacht über Leichen aus dem Gebäude trugen. Der Feuerwehrsprecher sagte, er rechne mit weiteren Todesopfern. Es sei das schlimmste Feuer seit Jahrzehnten gewesen. Die Feuerwehr brach Löcher in das Gebäude, um Eingeschlossenen zur Hilfe zu kommen.

Verzweifelte Angehörige gerieten mit der Polizei aneinander, als sie versuchten, in die Fabrik zu gelangen. Ein Arzt in einem Krankenhaus der Stadt berichtete, dass mindestens 65 weitere Arbeiter verletzt wurden, als sie auf der Flucht vor den Flammen aus den Fenstern sprangen.

Der Industrieminister der Provinz Sindh teilte mit, dass gegen den Betreiber der Fabrik wegen Fahrlässigkeit ermittelt werde. Pakistans Ministerpräsident Raja Pervez Ashraf zeigte sich "schockiert" und forderte eine bestmögliche Versorgung der Verletzten.

© Süddeutsche.de/AFP/Reuters/dapd/leja/mane
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