Nirav Modi Hollywoods Diamanten-Lieferant soll einer der größten Betrüger Indiens sein

Demonstranten in Mumbai verbrennen ein Bild Nirav Modis.

(Foto: REUTERS)
  • Der Unternehmer Nirav Modi soll die indische Punjab National Bank (PNB) um fast zwei Milliarden Dollar betrogen haben.
  • Modi ist untergetaucht.
  • Der Zorn im Volk ist groß. Wütende Demonstranten entzündeten Fotos des Flüchtigen.
Von Arne Perras

Nirav Modi ist abgetaucht, und in der Kasse seiner indischen Bank fehlt eine Summe, die den Atem stocken lässt: Um fast zwei Milliarden Dollar soll der Juwelenkönig aus Mumbai ein staatliches Geldhaus erleichtert haben. Und nun ist der mutmaßliche Räuber fort.

Es ist nicht so, als wäre er wie ein grober Panzerknacker vorgefahren, um den Safe im Keller aufzusprengen. Modi bediente sich auf andere Weise, er pflegte feinere Methoden, die sich aber nicht weniger verheerend auswirken für die Staatsbank, die er systematisch betrogen haben soll. Wie viel Ansehen und internationales Vertrauen Indien aufgrund dieser Affäre zusätzlich einbüßen wird, ist noch gar nicht zu beziffern. Der Zorn im Volk ist groß, wütende Demonstranten entzündeten Fotos des flüchtigen Juwelenkönigs. Viele haben das Gefühl, dass die größten Betrüger immer Wege finden, durchs Netz zu schlüpfen. Erst entkam dem Staat der zwielichtige Whiskybaron und mutmaßliche Milliardenschuldner Vijay Mallya, nun hat sich auch noch Modi verdrückt. Damit ist die Schmerzgrenze für viele überschritten.

Der Inder wurde vor 48 Jahren in einen Clan von Diamantenhändlern hineingeboren, er wuchs im belgischen Antwerpen auf, wo er bereits früh die Kunst des Edelsteinschleifens erlernte. Später kehrte er dann zurück in seine indische Heimat und bediente die Bedürfnisse des Geldadels, der niemals satt zu werden schien, wenn es darum ging, sich mit strahlenden - und sündteuren - Diademen einzudecken. Bald war Modis Schmuck in London, Macau und Singapur zu haben, die Marke wurde berühmt und lockte Stars der Filmbranche.

Die Affäre um Modi ist für den Staat schmachvoll - und seine Star-Kundschaft

Modi wirkte wie ein Mann bester Manieren, tadellos gekleidet, diskret, seriös; und machte auf diese Weise ein stattliches Vermögen. Nur dass das Fundament seines Imperiums offenbar auch faulige Stellen hatte. Um an Geld zu kommen, bediente er sich eines dreisten Tricks, mit dem er jahrelang die Punjab National Bank (PNB) prellte, eines der größten Geldhäuser Indiens: Angestellte der Bank stellten ihm sogenannte Letter of Undertaking aus, Garantieschreiben, mit denen er im Ausland Geld für Edelsteinkäufe besorgte. Die PNB bürgte für die geliehenen Summen. Offenbar prüfte niemand Sicherheiten, keiner pochte auf Fristen. Undenkbar, dass Modi das allein durchzog. Und so wird nun auch nach Komplizen gefahndet.

Die Affäre um Modi ist für den Staat schmachvoll. Indien will sich als effizientes Land profilieren, die Regierung gibt sich entschlossen, Schlupflöcher für Gauner und Steuerbetrüger zu stopfen. Doch nun müssen die Inder erleben, dass ihre Bankenwelt vorgeführt wird; die Affäre Modi gilt als einer der größten Betrugsfälle der indischen Geschichte.

Wo sich der Edelsteinkönig derzeit aufhält, scheint niemand zu wissen. Vielleicht in den USA, vielleicht in Dubai. Peinlich ist die Affäre auch für seine Star-Kundschaft. Darunter finden sich große Namen aus Hollywood. Kate Winslet, Viola Davis, Dakota Johnson. Was an ihnen funkelte und strahlte, kam nicht selten aus dem Hause Modi. Schauspielerin und Miss World Priyanka Chopra, die in Bollywood groß wurde und dann nach Kalifornien ging, kündigte hastig ihren Vertrag als Markenbotschafterin für Modi. Der Mann, der früher so viel Glanz verlieh, er ist nun eine wachsende Last.

Modi, dessen Vermögen das Magazin Forbes auf 1,8 Milliarden Dollar schätzt, pflegt exzentrische Gewohnheiten. Dazu gehört,dass er sich seinen Tee mit Thermometer servieren lässt, um sicher zu gehen, dass er auch exakt die richtige Temperatur hat. Und wehe, er ist ein wenig zu kalt. Das mag der Juwelenkönig gar nicht.

Wo genau Modi seinen Tee mit Thermometer schlürft, das wüssten viele Inder momentan schon sehr gerne. Ganz zu schweigen von den Fahndern, die jetzt den verlorenen Milliarden hinterherjagen müssen.

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