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Nach Diebstahl in Offenburg:30.000 Euro pro Kilo Hornsubstanz

Dann fiel einem Beamten die Ähnlichkeit der drei Insassen mit den Phantombildern aus Offenburg auf. Bei der Durchsuchung fand die Polizei die Quittung für den Kauf des Vorschlaghammers, der zum Abschlagen der Hörner benutzt worden war. Die Frau aus dem Museum erkannte die drei Männer zweifelsfrei wieder, der Richter erließ Haftbefehle. Seitdem sitzen die drei mutmaßlichen Nashorndiebe, 20, 29 und 31 Jahre alt, alle drei britische Staatsbürger, in Untersuchungshaft. In der vergangenen Woche hat die Staatsanwaltschaft Offenburg gegen den 20-Jährigen Anklage wegen schweren Bandendiebstahls erhoben, die beiden anderen Anklagen sollen in den nächsten Tagen folgen.

Zum ersten Mal werden damit, voraussichtlich im Herbst, Nashorndiebe vor einem deutschen Gericht stehen. Der Anführer der Bande habe jetzt ein umfassendes Geständnis abgelegt, sagt Rainer Lienhard von der Offenburger Kriminalpolizei, aber nur hinsichtlich des Diebstahls in Offenburg. Ein Schlag gegen die europaweit agierende Nashornmafia ist das noch nicht. Über die Hintermänner schwieg der Brite sich aus. "Die Fäden laufen in England und Irland zusammen", sagt Lienhard.

Allein seit Anfang 2011 hat Europol in Den Haag 58 vollendete und zwölf versuchte Nashorndiebstähle registriert - von Schweden bis Portugal, von Irland bis Ungarn. Die Festnahme der drei Offenburger Diebe hatte offensichtlich keine abschreckende Wirkung. Erst vor einer Woche schlug die Bande in Bad Säckingen wieder zu.

Hintergrund ist der Schwarzhandel mit der pulverisierten Hornsubstanz, die in Ostasien, insbesondere in Vietnam, als Heilmittel bei Krebs und als Potenzmittel gilt. Dort wird gemahlenes Nashorn buchstäblich mit Gold aufgewogen. Mehr als 30.000 Euro pro Kilo zahlen finanzkräftige Schwarzhändler; die beiden in Offenburg gestohlenen Hörner waren damit um die 200.000 Euro wert.

Das hornlose Nashorn hat Museumsleiter Wolfgang Gall wieder am alten Platz aufhängen lassen.