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Angezündete Schülerin in Berlin:Schwangere lebte noch

Gedenken an ermordete Frau

Auch Tage nach dem Mord bringen Menschen noch Blumen und Kerzen an den abgelegenen Tatort in der Köllnischen Heide.

(Foto: Paul Zinken/dpa)
  • Eine hochschwangere 19-Jährige wird in einem Berliner Waldstück getötet. Ihr Freund, der Vater des Kindes, soll ihr mehrmals in den Bauch gestochen, sie dann mit Benzin überschüttet und angezündet haben
  • Der Hauptverdächtige sagt bis heute nichts zu dem Fall.
  • Angehörige und viele andere Menschen sind schockiert und trauern um die junge Schülerin.

Von Verena Mayer

Supermaria. Das ist der Name, den sie sich auf Facebook gab. Maria P., 19, hatte viel vor mit ihrem Leben. Sie machte eine Ausbildung, um in der Gastronomie zu arbeiten, im Sommer stand ihr Abschluss an. Und die Schülerin war hochschwanger, ihr Kind sollte demnächst zur Welt kommen. Auf Facebook postete Maria P. Fotos von Babys und kleinen Kindern.

Es sind die letzten Einträge im Profil von Supermaria. Ende vergangener Woche wurde die Schülerin getötet, in einem Waldstück in der Köllnischen Heide im Südosten Berlins. Marias Freund, der Vater des Kindes, soll der Schülerin mehrere Male in den Bauch gestochen und sie mit Benzin übergossen und angezündet haben.

Wie die Gerichtsmedizin feststellte, lebte Maria P. zu diesem Zeitpunkt noch. Sie versuchte, sich zu wehren, an ihren Händen wurden Abwehrverletzungen gefunden. Danach muss sie durch das Laub gerannt sein, bis sie an den Verbrennungen starb.

Der mutmaßliche Täter, ihr Freund, sagt bis heute nichts

Vier Tage, nachdem die Leiche der Schülerin von Spaziergängern entdeckt worden ist, kommen immer mehr Details über das Verbrechen ans Licht, das in Berlin als eines der schlimmsten der vergangenen Jahre gilt. Über den Täter etwa. Eren T., auch er 19 Jahre alt, Marias Freund. Fotos zeigen einen jungen Mann im dunklen Anzug, mit kindlichem Gesicht und kurzem schwarzen Haar.

Er hat mittleren Schulabschluss, die Lehre danach brach er ab. Zusammen mit einem 19-jährigen Bekannten soll er Maria P. unter dem Vorwand, sich mit ihr aussprechen zu wollen, in einem Mietauto in den Wald gebracht haben. Die beiden hatten einen Kanister Benzin dabei und eine Stichwaffe. Auf die Spur kam ihm die Polizei, als er Maria P. kurz nach der Tat als vermisst gemeldet und sich dabei in Widersprüche verwickelt hatte. Eren T. und sein Bekannter sind in Haft.

Eren T. sagt bis heute nichts. Nicht zu Maria, nicht zu dem Kind, das er wohl gezeugt hatte und das er nicht wollte. Nicht, ob seine Familie in Neukölln Probleme mit seiner schwangeren Freundin hatte und ihn auf irgendeine Weise unter Druck setzte. Ob er der Schülerin drohte, wie Maria P. auf Facebook andeutete. All diese Dinge würden derzeit ermittelt, auch, ob Personen aus Erens Familie an der Tat beteiligt gewesen seien, sagt Martin Steltner von der Staatsanwaltschaft Berlin. Der Polizei war Eren T. zuvor nicht bekannt.

Trauer um die 19-Jährige

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller äußerte sich "zutiefst schockiert über den unfassbaren und grausamen Mord". In der Köllnischen Heide suchen dieser Tage immer noch viele Leute den abgelegenen Tatort auf, bringen Blumen und Kerzen. Zwei weiße Kreuze wurden aufgestellt, ein großes und ein kleines. Auch am Oberstufenzentrum Gastgewerbe in Berlin-Weißensee, wo Maria P. ihre zweijährige Ausbildung machte, versucht man, das Geschehen zu bewältigen.

Maria P., eine von 5000 Schülerinnen und Schülern, war eigentlich schon beurlaubt, um sich auf die Geburt vorzubereiten. Mit zwei, drei Schülerinnen hatte sie noch kurz vor der Tat engen Kontakt, sagt Schulleiter Rudolf Enste. Sie werden jetzt psychologisch betreut. Die Schule hat einen kleinen Gedenkraum eingerichtet, mit einem Kondolenzbuch und einem Foto von Maria. So wie sie es gerne auf Facebook postete, die runden Augen geschminkt, das dunkle lange Haar offen.

Was ist das für eine Familie, aus der Maria P. kommt? Schulleiter Rudolf Enste will nichts Näheres sagen, nur so viel: In Maria P.s Personalbogen seien beide Eltern angegeben, was nicht die Regel sei bei Volljährigen. Und "ein gutes Zeichen", ein Hinweis darauf, dass es "ein Umfeld" gebe. Eine Mutter und einen Stiefvater aus der Türkei nämlich, Maria P.s leiblicher Vater war gestorben, als sie ein Kind war. Gemeinsam mit Maria warteten sie auf das Baby. Es war ein Mädchen.

© SZ vom 28.01.2015/frdu/rus

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