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Missbrauch in katholischer Kirche:Täterkreis wird größer

Nach Medienberichten sind in den vergangenen 15 Jahren fast 100 Kirchenmitarbeiter unter Missbrauchsverdacht geraten. Belangt werden konnten die wenigsten.

Die Mauer des Schweigens bröckelt und mit der Opferzahl wird auch der Kreis mutmaßlicher Täter immer größer. Neue Informationen zum Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche dürften nun denjenigen weitere Argumente liefern, die die katholische Kirche bereits unter den Generalverdacht stellen, sexuellem Missbrauch an Kindern Vorschub zu leisten.

Gewand Erzbischof, AP

Die Zahl der Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche ist wohl größer als bislang angenommen.

(Foto: Foto: AP)

Fast 100 Mitarbeiter der katholischen Kirche sind einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel zufolge in den vergangenen 15 Jahren unter Missbrauchsverdacht geraten. Seit 1995 sollen mindestens 94 Kleriker und Laien unter Missbrauchsverdacht geraten sein - dies habe eine Umfrage unter allen 27 deutschen Bistümern ergeben.

Aktuell mindestens zehn Kirchendiener unter Verdacht

30 der Beschuldigten seien in der Vergangenheit juristisch belangt und verurteilt worden. Jedoch seien viele Fälle beim Bekanntwerden bereits juristisch verjährt gewesen, so das Magazin weiter. Aktuell stehen den Angaben zufolge mindestens zehn Kirchendiener unter Missbrauchsverdacht.

Von den 27 vom Spiegel angefragten Bistümern hätten 24 geantwortet, meldet das Magazin. Die Bistümer Limburg, Regensburg und Dresden-Meißen verweigerten eine Auskunft zu Missbrauchsfällen mit der Begründung man wolle "die aktuelle Diskussion nicht noch befeuern".

Die Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg hatten den Stein ins Rollen gebracht. Nach und nach wurde bekannt, dass es vor allem in den siebziger und achtziger Jahren deutschlandweit auch an weiteren Schulen des Jesuitenordens zu sexuellen Übergriffen von Patres auf Schüler gekommen ist.

Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Jesuitenpater Hans Langendörfer, sagte: "Die Enthüllungen zeigen ein dunkles Gesicht der Kirche, das mich erschreckt. Wir wollen das Thema offen angehen."

Kritische Katholiken-Gruppen fordern mittlerweile bereits eine Korrektur der bischöflichen Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche. So regt Bernd Göhrig, Geschäftsführer der "Kirche von unten", die Einführung unabhängiger Ombudsstellen an.

Der Berliner Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) zweifelt jedoch an der Effektivität übergeordneter Missbrauchsinstanzen: "Dieser Bereich ist so sensibel, dass er nicht durch Formalien oder die Einsetzung eines Beauftragten regelbar ist", sagte Zöllner dem Tagesspiegel. Er neige eher zur Einsetzung von Ansprechpartner an den einzelnen Schulen, "weil das persönliche Vertrauensverhältnis in diesem Kontext eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt".

© dpa/jobr/vbe

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