McDonald's Fastfood-Revolution mit Grünkohl

Gibt's jetzt nicht nur beim Biobauern, sondern auch bei McDonald's.

(Foto: dpa)

Bei McDonald's in Kalifornien gibt es jetzt Grünkohl. Eigentlich essen das in den USA nur kalorienzählende Promis. Doch die Strategie ist richtig. Das schwächelnde Unternehmen sollte mehr auf Ernährungsrandgruppen setzen.

Von Deniz Aykanat

McDonald's ist kürzlich in einem Werbefilm übelst über Grünkohl hergezogen. In dem Spot zoomt die Kamera auf den fast komplett nährstoffbefreiten Eisbergsalat eines Big Macs, ein Sprecher verkündet mit dröhnender Stimme: "Dies wird niemals Grünkohl sein!"

Von wegen. Bei McDonald's gibt es jetzt nämlich das gesunde Kraut. In mehreren Schnellrestaurants der Kette in Südkalifornien werden nun zwei neue Frühstücksgerichte mit der Vitamin C-Bombe aufgetischt.

Grünkohl - das sind ja eigentlich die Guten. Zumindest in den USA. In Deutschland kennt man das Gewächs vor allem in Kombination mit Pinkel, einer Wurst aus Weizengrütze. Der Grünkohl wird dabei bis zur Unkenntlichkeit zerkocht. Nicht so in den USA. Dort heißt das Gewächs Kale und wird von Menschen mit Sinn für gesunde Ernährung in rauen Mengen zu quietschgrünen Smoothies verarbeitet oder roh als Salat gegessen. Es gibt Menschen, die finden Kale so cool, dass sie sich T-Shirts mit dem Schriftzug bedrucken und überziehen.

Es ist nicht gewiss, ob das, was McDonald's neuerdings mit Grünkohl zusammenrührt, gesund ist. Die Fastfood-Kette tut es aber, denn McDonald's ist krank und der gesunde Grünkohl soll es richten. Dem Unternehmen geht es nämlich nicht mehr so gut wie früher, der Umsatz wird kleiner.

Wenn sich die Fastfood-Kette nun also der Kale-Jünger annimmt, warum dann nicht gleich komplett auf diese Strategie setzen? Die Veggies haben dort bereits ihren unförmigen Bratling alias der Veggie-Burger. Und was ist mit den anderen Ernährungsnischen? Den Makrobiotikern und Frutariern, den High-Fat-Anhängern? Das sind Marktlücken und damit Goldgruben, liebe McDonald's-CEOs! Hier ein paar Anregungen:

Frutarier

Frutarier etwa essen nur Dinge, die von allein zu Tode gekommen sind. Ein geernteter Apfel wurde demnach brutal ermordet. Fällt er von selbst vom Baum, kann man ihn essen. Fallobst ist lecker. Auch McDonald's könnte diese Gruppe für sich gewinnen. Zum Beispiel in den "Altersschwache-Rinder-Wochen". Nur das Fleisch von Kühen, die aufgrund ihres Alters tot umgefallen sind, wird für diese schmackhaften Burger verwendet. Es ist ein bisschen grau, ja. Aber Frutarier kennen das von den fauligen Stellen ihres ganz von allein verendeten Obstes schon.

Makrobiotiker

In der Makrobiotik kommt leider kein Fleisch vor, Hauptnahrungsmittel sind dafür aber Getreide und Algen. Super! Nichts leichter als das. McDonald's ist schließlich Experte darin, jedes Lebensmittel so zu verarbeiten, dass es hernach keiner mehr erkennen kann.

Das gleiche Prinzip lässt sich auch makrobiotisch abwandeln. Man nehme zunächst die von den Burgerbrötchen abgefallenen Krumen, die bestehen schließlich aus Weizen. Weizen ist Getreide, passt also. Dann werfe man diese zusammen mit einer Handvoll Algen, die oft auch in Getränkeautomaten wachsen, in die McFlurry-Maschine. Heraus kommt, klar, der McMakro.

Bei Makrobiotikern ist auch eine kleine Menge Fisch erlaubt. Sie könnten also auch den Fishburger essen - Verzeihung, er heißt jetzt Filet-O-Fisch. Allerdings kursierte jahrelang das Gerücht, dass in diesem gar kein Fisch enthalten sein soll. McDonald's hat jedoch mehrfach nachgewiesen, dass tatsächlich Fisch drin steckt und listet die Zutaten fein säuberlich im Internet auf. Hartnäckig hielt sich dieser Verdacht auch deshalb, weil das panierte Fischstück nach allem, aber nicht nach Fisch schmeckt. Ideal also für Veganer, man müsste ihn nur entsprechend bewerben. Zum Beispiel so: "Nix drin, nix dran, könnte Seitan sein!"

Fett-Fans

Und was ist mit den High-Fat-Fans? Fett ist doch jetzt plötzlich wieder total in und gesund. Der Absatz von Avocados ist seit ein paar Jahren auf einmal gigantisch. Die fette Frucht wird sogar mit millionenteuren Spots während des Super Bowls beworben. Es bietet sich hier die bei McDonald's bewährte Methode des Zerkleinerns und wieder Zusammenpressens an, auch die Bratling-Methode genannt.

Der Vorschlag wäre also, das übriggebliebene Fett aus den Fritteusen zu nehmen, mit Brötchen und Pommes als Bindemittel zu mischen und dann diesen Teig nochmals zu frittieren. Und was war jetzt mit der Avocado? Ach egal, viel zu teuer!

Das Ganze wird dann final noch mit ordentlich Ghee übergossen. Das ist geklärte Butter, wie sie in Indien gerne verwendet wird. So nimmt man dann auch gleich noch die Ayurveda-Anhänger mit. Das Konstrukt aus mehrfach gesättigten und ungesättigten Fettsäuren nennt sich: McFatty.

Ich liebe es?

Wenn McDonald's diese Vorschläge tatsächlich umsetzt, muss natürlich ein neuer Werbeslogan her. Das Unternehmen hat ja schon vor einigen Jahren seine Farben von rot zu grün geändert. Das hat viel gebracht. Die Transformation muss nun aber noch sichtbarer werden. Seit Jahren wirbt die Kette mit dem Satz "Ich liebe es". Wird Zeit, dass da was Neues kommt. Zum Beispiel: "Grüner wird's nicht!"