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Malmö: Anschläge auf Migranten:"Er fordert sein Schicksal nicht heraus"

Mangelnden Einsatz wollen sich die Malmöer Ermittler nicht mehr vorwerfen lassen. Sie haben den Heckenschützen zum wichtigsten Fall erklärt und eine Spezialeinheit aus Stockholm eingeflogen, um ein Täterprofil zu erstellen. Die ersten Erkenntnisse sind jedoch eher vage: Der Schütze ist vermutlich männlich, 20 bis 40 Jahren alt und radelt zu seinen Anschlägen. Auch plant er offenbar die Flucht vom Tatort sehr genau. "Er fordert sein Schicksal nicht heraus. Das macht es schwer für uns", sagt ein Polizeisprecher.

Gegen 18 Uhr senkt sich die Dämmerung über Rosengård, wo besonders viele Einwanderer leben. Jetzt beginnt die Zeit, in der viele Menschen anfangen zu überlegen, bevor sie auf die Straße gehen. Die Zeit, in der Vorhänge zugezogen und Lampen gedimmt werden. In der Sporthalle versucht Dialy Mory Diabaté, den hier alle "Dallas" nennen, mit Boxtraining Normalität in den bedrohlichen Alltag zu bringen. Obwohl er Rentner ist, verbringt er immer noch fünf Tage die Woche ehrenamtlich im Boxclub. "Wir dürfen uns nicht fürchten. Aber wir können vorsichtig sein", sagt Diabaté, der aus dem Senegal stammt. "Wenn die Menschen Angst haben, kann sonst was passieren." Das ist jetzt auch eine Furcht in Malmö: Dass der Heckenschütze Panik auslösen könnte.

In der Vergangenheit ist in Rosengård schon mehrfach randaliert worden. Nun haben Leute vereinzelt zur Selbstjustiz aufgerufen. Die Zeitung Sydsvenskan interviewte vor einigen Tagen das Mitglied einer von mehreren kriminellen Banden der Stadt. Der Gangster, der sich "Leo" nennen ließ, erklärte, "die Unterwelt" werde den Heckenschützen jagen. "Der kann nur hoffen, dass die Polizei ihn vor uns findet." Im Boxclub ist man anderer Meinung. "Gegen die Kugeln eines Wahnsinnigen kann man sich ohnehin nicht wirklich schützen", glaubt Diabaté.

Kürzlich bekam der Boxtrainer Unterstützung vom Integrationsminister Erik Ullenhag. Der war nach einem der jüngsten Anschläge nach Malmö geeilt, um Solidarität mit den Einwanderern zu bekunden. Der Moschee-Vorsitzende Bejzat Becirov wird wütend, wenn er daran denkt. "Was hat ein Irrer, der auf Menschen schießt, mit Integration zu tun?", fragt er. "Wir brauchen jetzt keine PR-Auftritte". Das sei ein Fall für die Justizministerin. Und nötig sei etwas ganz anderes: "Wir brauchen endlich Sicherheit."