Madeira Die Überlebenden kehren heim

Die Wunde der sogenannten Blumeninsel: Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa gedenkt der 29 Toten des Busunglücks.

(Foto: Rafael Marchante/Reuters)

Nach dem Busunglück in Madeira mit 29 Toten werden insgesamt 15 Verletzte zurück nach Deutschland geholt, der Fahrer des Busses äußert sich in einem Zeitungsbericht.

Die transportfähigen Verletzten der Buskatastrophe von Madeira sind wieder in Deutschland, eine Sondermaschine der Bundeswehr holte 15 Verletzte am Samstag von der portugiesischen Insel. Die ersten Patienten seien schon in Krankenhäuser in der Nähe ihrer Wohnorte verlegt worden, sagte eine Sprecherin der Unfallklinik in Köln-Merheim am Ostermontag. Die Verletzten seien von den Ärzten auf Madeira sehr gut versorgt worden, betonten die Kölner Mediziner. Die Unglücksursache ist nach wie vor unklar.

Der Fahrer des Unglücksbusses führte den Unfall mit 29 Toten nach Informationen einer örtlichen Zeitung auf "technisches Versagen" seines Fahrzeugs zurück. Die Regionalzeitung Jornal da Madeira berief sich in ihrem entsprechenden Bericht auf einen Vertreter der Verkehrsgewerkschaft auf der Urlaubsinsel, die den 55-Jährigen im Krankenhaus der Inselhauptstadt Funchal besucht haben soll. Die zuständigen Behörden gaben zu den laufenden Ermittlungen vorerst keine Informationen bekannt.

Die portugiesische Kraftfahrergewerkschaft SNM erhob schwere Vorwürfe gegen die Betreiberfirma des Unglücksbusses. Gewerkschaftskoordinator Manuel Oliveira versicherte, der Fahrer habe am Mittwoch zum Zeitpunkt des Unfalls gegen 18.30 Uhr bereits mehr als 13 Stunden hinter dem Steuer seines Fahrzeugs gesessen. Das seien fünf Stunden länger als vom Gesetz erlaubt. Auch wenn der Gewerkschaftsvertreter keinen direkten Zusammenhang zwischen den Beschuldigungen und dem Unfall herstellte, wies der Arbeitgeber des Fahrers, die Transportfirma SAM, die Vorwürfe schnell und energisch zurück. Das Unternehmen habe eine Arbeitszeitaufzeichnung vorgelegt, aus der hervorgehe, dass der Fahrer sowohl am Tag vor der Katastrophe als auch am Unfalltag die zulässige tägliche Arbeitszeit von acht Stunden nicht überschritten habe, schreibt die Zeitung Diario de Noticias.

Der verletzte Busfahrer gilt nach portugiesischen Medienberichten als erfahren und zuverlässig. Der Mann war unmittelbar nach dem Unfall vom Mittwochabend in Funchal einem Alkoholtest unterzogen worden, der nach amtlichen Angaben negativ ausfiel. Vor dem Unfall soll er Überlebenden und Augenzeugen zufolge versucht haben, auf der abschüssigen, kurvenreichen Straße das Tempo des immer schneller werdenden Busses zu drosseln, indem er unter anderem eine Betonwand am Straßenrand streifte. Doch der Bus stürzte einen Abhang hinunter und krachte in ein Haus. Bei dem Unfall starben 29 Touristen, die nach bisherigen Erkenntnissen alle aus Deutschland stammten. 27 weitere erlitten Verletzungen. Sieben Betroffene wollten laut Reiseveranstalter Trendtours mit regulären Flügen heimkehren.

Nachdem die Maschine der Bundeswehr die insgesamt 15 Verletzen, die transportfähig waren, am Karsamstag nach Deutschland zurückgeholt hatte, kamen die Patienten in eine Klinik in Köln. Als große Unfallklinik ist das Krankenhaus Merheim für solche Fälle besonders geeignet. Der Direktor der Klinik, Bertil Bouillon, sagte: "Den 15 Patienten geht es den Umständen entsprechend gut." Die 15 Verletzten stammen aus Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg, wie die Stadt Köln mitteilte.

Im Krankenhaus in Funchal lagen am Ostersonntag noch drei Verletzte, die das Busunglück überlebt hatten: Neben dem Fahrer des Unglücksbusses eine weitere Frau aus Deutschland, die nach Einschätzung der Ärzte noch nicht transportfähig war, sowie die Reiseleiterin.