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Vorfall in Limburg:Womöglich ist er krank

  • Das Motiv des Syrers, der mit einem Lkw mehrere Autos rammte, haben die Ermittler auch zwei Tage nach der Tat noch nicht ergründet.
  • Auf einen Terroranschlag deute bislang nichts hin. Ermittler vermuten, dass es sich um die Aktion eines gestörten oder gescheiterten Menschen handeln könnte.
  • Die Fahnder sind erleichtert, dass die Karambolage in der Limburger Innenstadt vergleichsweise glimpflich ausgegangen ist.

Der 32 Jahre alte Mann, der am Montag in Limburg eine fatale Karambolage mit einem gestohlenen Lastwagen verursacht hatte, sitzt inzwischen in Frankfurt wegen des Verdachts des versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Das Motiv des Syrers haben die Ermittler auch zwei Tage nach der Tat noch nicht ergründet. "Der Mann ist nicht sehr gesprächig", heißt es in Sicherheitskreisen. Auf einen Terroranschlag deute bislang nichts hin, aber die Ermittler könnten nicht ausschließen, im Verlauf der Untersuchungen noch Hinweise auf einen terroristischen Zusammenhang zu finden.

Spekulationen über eine politisch motivierte Attacke hatten schon kurz nach dem Vorfall mit acht Leichtverletzten öffentlich die Runde gemacht. Belastbare Hinweise aber fehlen bislang. Derzeit gehe man mangels anderer Spuren davon aus, dass es sich um die Aktion eines gestörten oder gescheiterten Menschen handeln könnte, sagen Ermittler. Sie zeichnen das vorläufige Bild eines frustrierten, womöglich drogenabhängigen Mannes, der sich selbst nicht mehr im Griff gehabt zu haben schien.

Der Syrer war wie so viele andere seiner Landsleute 2015 nach Deutschland gekommen und hatte um Schutz vor dem Krieg in seiner Heimat gebeten. Er soll ein vorläufiges Bleiberecht, aber keine Anerkennung als Asylbewerber bekommen haben. Seine Aufenthaltsbewilligung war abgelaufen, aber die Behörden hätten ihn wegen des immer noch für Syrien geltenden Abschiebungsverbots nicht dorthin zurückbringen können.

Mit Lastwagen soll er sich ausgekannt haben

Der Mann lebte in einer Unterkunft im südhessischen Langen und war der Polizei wegen Drogenbesitzes, Ladendiebstahls und anderer Delikte bekannt, nicht aber wegen politisch-religiös motivierter Gewalt oder Radikalität. Zu seinem Drogenkonsum sagen die Ermittler, er habe keine harten Substanzen, sondern meistens wohl Marihuana verwendet. Ob er während des Überfalls in einem Rauschzustand war, werde geprüft. Der Syrer hatte den Fahrer des Lkw aus der Kabine gezerrt und war nach kurzer Fahrzeit mit stehenden Fahrzeugen kollidiert. Acht Menschen und er selbst wurden dabei leicht verletzt. In Ermittlerkreisen hieß es, der Verdächtige werde auch psychiatrisch untersucht, um Erkenntnisse über seine Schuldfähigkeit zu gewinnen.

Der Verdächtige hatte familiäre Verbindungen in Südhessen. In Limburg arbeiten seit geraumer Zeit zwei seiner Vetter, die offenkundig bislang nicht aufgefallen sind. Einer der beiden schilderte der Frankfurter Neuen Presse, sein Cousin sei "komisch im Kopf" gewesen, vielleicht als Folge der Erlebnisse im syrischen Bürgerkrieg, und er habe Alkohol sowie Drogen konsumiert. Mit Lastwagen soll er sich ausgekannt haben. In seiner syrischen Heimat sei er Lkw-Fahrer gewesen, zitierte die Zeitung den Cousin aus Limburg.

Die Fahnder sind erleichtert, dass die Karambolage in der Limburger Innenstadt vergleichsweise glimpflich ausgegangen ist. Wäre der Laster auf Bürgersteige gerollt, hätten die Folgen ungleich schwerer sein können, heißt es. Zugleich macht der Vorfall den Sicherheitsverantwortlichen aber auch große Sorgen, selbst ohne Hinweis auf ein Terrormotiv. Wenn bei womöglich gestörten Menschen die Aggressionsschwelle so weit sinke, dass sie dazu bereit seien, schwere Fahrzeuge zu kapern, um diese dann als Waffe einzusetzen, werde das Sicherheitsgefühl der Bürger gestört, so die Ermittler.

Unglück und Unfall Ermittler werten Fotos und Videos von Augenzeugen aus

Vorfall in Limburg

Ermittler werten Fotos und Videos von Augenzeugen aus

Die Polizei sucht weiter nach dem Motiv des Mannes, der am Montag mit einem Lastwagen acht Fahrzeuge gerammt haben soll. Hinweise auf einen terroristischen Anschlag soll es bislang nicht geben.