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Lampedusa:Flüchtlingstragödie erschüttert Italien

Mindestens 130 Tote, unter Schock stehende Überlebende und verzweifelte Rettungskräfte: Italien ist fassungslos über das neuerliche Schiffsunglück im Mittelmeer. Ministerpräsident Letta beklagt "eine immense Tragödie", wichtige politische Termine sind abgesagt. Der Papst spricht von einer "Schande".

Mindestens 130 Flüchtlinge sind bei einem Schiffbruch vor der italienischen Insel Lampedusa ertrunken. Unter den Opfern sind nach Angaben der italienischen Regierung drei Kinder und zwei schwangere Frauen. 151 Menschen hätten gerettet werden können. Mindestens 150 weitere Flüchtlinge wurden am Abend noch vermisst. Die Küstenwache hat wenig Hoffnung, sie lebend zu finden.

Das Boot mit etwa 500 Menschen an Bord hatte im Mittelmeer vor der Nachbarinsel Isola dei Conigli Feuer gefangen und war gekentert. Berichten zufolge sollen einige Flüchtlinge auf dem Schiff eine Decke angezündet haben, um dadurch ein Fischerboot in der Nähe auf sich aufmerksam zu machen.

Die Migranten stammen Medienberichten zufolge aus Eritrea und Somalia. Sie waren etwa zwölf Stunden vor dem Unglück an der libyschen Küste aufgebrochen.

"Es ist ein Horror", sagte Bürgermeisterin Giusi Nicolini nach dem zweiten Flüchtlingsdrama innerhalb weniger Tage. "Sie hören nicht auf, weitere Leichen zu bringen." Erst am Montag waren 13 Menschen vor der italienischen Küste ertrunken. Ihr Boot war vor Sizilien gestrandet.