Kongo Vergewaltigungen im Minutentakt

Vergewaltigung ist eine der brutalsten Waffen. Im Kongo richtet sexuelle Gewalt inzwischen mehr Zerstörung an als alle Kalaschnikows, Raketen und Granatwerfer zusammen.

Von Arne Perras, Kampala

Sexuelle Gewalt ist eine der brutalsten Waffen, die in Kriegsgebieten zum Einsatz kommt. Überall auf der Welt müssen sich wehrlose Frauen vor solchen Übergriffen fürchten - und immer häufiger trifft es auch Männer. Im Kongo haben die Vergewaltigungen nun allerdings Dimensionen erreicht, die weit mehr Zerstörung anrichten als alle Kalaschnikows, Raketen und Granatwerfer zusammen.

400.000 Frauen wurden in der Demokratischen Republik Kongo innerhalb eines Jahres vergewaltigt.

(Foto: AP)

Eine neue Studie amerikanischer Wissenschaftler hat ergeben, dass das Ausmaß noch weit verheerender ist als bislang bekannt: Demnach wurden in den kriegerischen Jahren 2006 und 2007 alle fünf Minuten vier kongolesische Frauen vergewaltigt. In einem Zeitraum von zwölf Monaten sind dies mehr als 400.000 Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren, die der sexuellen Gewalt im Kongo zum Opfer fielen.

Die Studie für das American Journal of Public Health kommt damit zu weit drastischeren Ergebnissen als frühere Analysen. Und sie macht deutlich, dass sich das Problem nicht nur auf die Kriegsgebiete beschränken lässt. Die Studie offenbart nicht nur weitreichende sexuelle Gewalt in den Kampfzonen, wo die Täter vor allem unter den Milizionären und Soldaten zu suchen sind. Die Forscher zeichnen auch ein düsteres Bild über sexuelle Gewalt in Partnerschaften und der Ehe.

Das Bild für das Konfliktgebiet Nordkivu, das bis heute keinen Frieden findet, ist besonders alarmierend. Dort wurden innerhalb eines Jahres von 1000 Frauen mindestens 67 einmal vergewaltigt. Die Untersuchung von Amber Peterman, Tia Palermo und Caryn Bredenkamp stützt sich auf die Auswertung von Daten, die unter 3436 Frauen gesammelt wurden.

Zahlreiche Milizen und auch die kongolesische Armee sind berüchtigt für ihre Übergriffe auf wehrlose Dorfbewohner, die schwerste psychische und physische Verletzungen davontragen. Einige mutige kongolesische Ärzte und auch ausländische Hilfsorganisationen stehen den Opfern bei, oftmals ist es sehr schwer für die betroffenen Menschen, in ihre Gemeinden zurückzufinden, weil sie nach solchen Attacken stigmatisiert sind. Darin liegt auch das Kalkül der Täter, es geht darum, die Bevölkerung durch Erniedrigung zu beherrschen.