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Köln:SEK-Polizisten sollen Anwärter tagelang gefesselt haben

Polizei nimmt zwei Terrorverdächtige in Flugzeug fest

NRW-SEK-Beamte bei einer Übung (Archivbild)

(Foto: dpa)
  • Mitglieder eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) in Köln sollen einen Anwärter tagelang an einen Kollegen gefesselt haben. Staatsanwaltschaft und Polizei prüfen den Fall.
  • Der ehemalige Leiter der Spezialeinheiten soll zudem Polizeimittel für ein Abschiedsfoto genutzt haben - darunter einen teuren Helikopter.

Sie hätten sich auch einfach betrinken und dann durch den Rhein schwimmen können, so wie früher. Doch ein Aufnahmeritual, das ein neuer Kollege des Kölner SEK vor Kurzem über sich ergehen lassen musste, war wohl deutlich härter. Es war brutal.

Der Anwärter hat sich der Rheinischen Post zufolge in der Abteilung für interne Ermittlungen über sieben SEK-Mitglieder beschwert, die ihn misshandelt haben sollen. Er soll an einen Kollegen gefesselt worden sein - mehrere Tage lang. Trotz lautstarker Proteste soll er nicht losgebunden worden sein. Auch nach dem Vorfall soll er gemobbt worden sein.

Harte Aufnahmerituale für harte Polizisten - einige SEKs schweißen angeblich so ihre Einheit zusammen. Ihr Job sind Geiselbefreiungen und Anti-Terror-Einsätze. Im Ernstfall müssen sie sich aufeinander verlassen können. Doch so archaische Rituale wie nun vermutlich in Köln passen nicht zu einer modernen Polizei.

Der Vorfall hat schon jetzt Folgen. Die betroffene Einheit werde vorerst nicht mehr eingesetzt, sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums der SZ. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt, ob strafrechtliche Konsequenzen nötig sind. Dabei hilft ihr die Düsseldorfer Polizei. An sie wurden die Ermittlungen vom Kölner Polizeipräsidium abgegeben, um den Eindruck von Parteilichkeit zu vermeiden.

Polizeipräsident Wolfgang Albers kündigte an, dass auch ein externer Ermittler die Vorfälle aufarbeiten werde: der ehemalige Direktor des Landeskriminalamtes Wolfgang Gatzke. Sein Auftrag: "Er soll unter anderem die Wertvorstellungen und Rituale im SEK Köln untersuchen." Albers will hart durchgreifen: "Wer gegen die Grundprinzipien der Polizei Köln verstößt muss mit weitreichenden, disziplinarrechtlichen Konsequenzen rechnen", erklärte der Polizeipräsident. Er habe die Staatsanwaltschaft in den vorliegenden Fällen um besonders gründliche Ermittlungen gebeten. "Ich werde nicht akzeptieren, dass ein Polizeihubschrauber für private Fotos genutzt wird oder Kollegen beim SEK gedemütigt und erniedrigt werden", sagte Albers.

Aus dem Ministerium heißt es: "Wir dulden kein Mobbing bei der Polizei. Außerdem gehen wir gegen solche inakzeptablen Aufnahmerituale beim SEK konsequent vor." In der nächsten Sitzung des Innenausschusses des Landtages im August sollen die Vorwürfe ebenfalls Thema sein.

Nutzte der Chef einen Helikopter für ein Abschiedsfoto?

Es ist das zweite Mal binnen einer Woche, dass Kölns Spezialeinheiten unangenehm auffallen. Vor Kurzem war bekannt geworden, dass sich ihr damaliger Leiter 2014 mit drei hochrangigen Kollegen per Hubschrauber auf den Pfeiler der Severinsbrücke fliegen ließ, einer der mächtigen Brücken über den Rhein. Was offiziell als "Höhenübung" deklariert war, könnte ein privater Spaß gewesen sein: Es ging möglicherweise darum, auf dem Brückenpfeiler eine möglichst aufregende Abschiedsfeier zu veranstalten und ein Gruppenfoto für den scheidenden Spezialeinheiten-Chef zu schießen.

Nun lässt Polizeipräsident Albers prüfen, ob es zur Vermischung dienstlicher und privater Interessen gekommen ist. Der Rheinischen Post zufolge kostet ein Flug mit dem Helikopter in der Minute etwa 50 Euro. Sie spottet: "Spezialauftrag: Abschiedsfoto".

© SZ.de/rus

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