Klonen von Tieren "Das ist also nur was für Reiche"

Geklonte Beagle-Welpen aus Südkorea.

(Foto: Getty Images)

Eine Familie aus Deutschland lässt ihren toten Hund in Südkorea klonen - und sorgt damit für viel Aufsehen. Ein Gespräch über eine Prozedur, die ethische, medizinische und praktische Fragen aufwirft.

Interview von Nora Reinhardt

Barbra Streisand lüftete kürzlich das Geheimnis ihrer zwei neuen Haustiere: Die Welpen sind Klone ihrer verstorbenen Hündin Samantha. Nun macht ein Paar aus Sachsen Schlagzeilen, das eine Englische Bulldogge nach deren Tod in Südkorea klonen ließ. Ein Gespräch mit dem Tiergenetiker Björn Petersen über eine Prozedur, die ethische, medizinische und praktische Fragen aufwirft.

SZ: Herr Petersen, was muss ich mitbringen, um meinen Hund klonen zu lassen?

Björn Petersen: Sie brauchen ein Stückchen Haut oder Bindegewebe von ihrem Hund. Kommerzielle Anbieter haben Kits, mit denen die Entnahme ganz einfach ist. Das herausgestanzte Stückchen hält sich in Stickstoff beinahe unbegrenzt. Die Spenderzellen können Sie dem lebenden aber auch dem frisch verstorbenen Tier entnehmen, das geht beides.

Björn Petersen, 42, ist Tierarzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Friedrich-Löffler-Institut in Neustadt nahe Hannover. Er hat an diesem Lehrstuhl vor sechzehn Jahren das Klonen von Schweinen etabliert.

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Können Sie mal so einfach wie möglich erklären, wie man einen Hund klont?

Man braucht dafür im Grunde zwei Hunde. Ein Stückchen von dem männlichen oder weiblichen Hund, den man klonen möchte und eine Hündin. Der Hündin entnimmt man Eizellen, die man mit dem genetischen Material des zu klonenden Hundes zusammenbringt. Dann aktiviert man die Eizelle mit einem Stromimpuls, sodass sie quasi denkt, sie sei befruchtet. Wichtig ist, die Eizelle der Hündin zuvor von ihrer DNA zu befreien, denn die Zelle des Hundes hat ja bereits einen doppelten Chromosomensatz - das ist anders als bei einer Befruchtung, wo Eizelle auf Samen trifft und eine Zellteilung abläuft.

Ginge das in Deutschland auch?

In Deutschland herrscht kein Klonverbot, aber es gibt keine kommerziellen Anbieter. Die Kosten werden mit 100 000 Dollar kolportiert, das ist also nur was für Reiche. In Südkorea ist Hundeklonen ein großes Ding. Am Flughafen von Seoul zum Beispiel hatten sie einen ganz tollen Spürhund. Den haben sie geklont und jetzt gibt es eine ganze Hundestaffel von ihm.

Was ist mit Katzen?

Das erste Tier, das 1996 geklont wurde, war das Schaf Dolly. Inzwischen wurden über zwanzig Spezies geklont: Schweine, Hunde, Katzen, Kühe, kürzlich zum ersten Mal Affen. Das Problem beim Katzenklonen ist, dass man die Fellfarbe nicht beeinflussen kann, sodass die neuen Tiere oft anders aussehen als das Original.

Bleiben wenigstens die Charakterzüge erhalten oder kann es passieren, dass mein Schoßhündchen ein Wildfang wird?

Das kann passieren. Sie haben einen Welpen, der auf die Welt kommt und wieder bei null anfängt. Bestimmte Charaktereigenschaften sind zwar in der Genetik verankert, aber gerade bei Hunden kommt es auch stark auf die Erziehung und das Umfeld an.

Klingt nicht gerade überzeugend.

Ich als Wissenschaftler sehe keinen Sinn im Klonen von Haustieren. Was Menschen zu so etwas verleitet? Wahrscheinlich eher eine romantische Vorstellung.

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