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Israel:Tödliche Regenmassen

(200109) -- NAHARIYA, Jan. 9, 2020 (Xinhua) -- Photo taken on Jan. 8, 2020 shows a broken car after an accident on a fl

In der nordisraelischen Stadt Nahariya stehen die Straßen unter Wasser.

(Foto: Imago/Xinhua)

In kurzer Zeit treffen zwei heftige Stürme Israel. Sieben Menschen sind bislang gestorben.

Bei verheerenden Überschwemmungen in Israels Küstengebieten sind in den vergangenen Tagen mehrere Menschen ums Leben gekommen. Ein junges Pärchen, beide 25 Jahre alt, ertrank am Samstag in einem Aufzug. Die beiden bleiben in der unterirdischen Parkgarage eines Wohnhauses im Lift stecken, als sie zu ihrem Auto gelangen wollten. Der Mann und die Frau konnten erst nach längerer Zeit von Tauchern und Feuerwehrkräften aus dem voll gelaufenen Fahrstuhl geborgen werden. Trotz Rettungsversuchen starben sie kurz darauf. In Naharia, im Norden Israels, starb ein 38-Jähriger, der zuvor eine Frau und ihr Kind aus einem von Wassermassen bedrohten Auto gerettet hatte. Er wurde weggespült und ist das inzwischen fünfte Todesopfer, seit der zweite Sturm innerhalb weniger Tage Israel mit voller Härte getroffen hat. Mit so heftigen Regenmengen, wie noch nie binnen so kurzer Zeit. Innerhalb von drei Stunden fiel ein Fünftel der Regenmenge eines ganzen Jahres in Tel Aviv. Die Familie des toten Paares und Bewohner des von Überschwemmungen besonders betroffenen Südens der Stadt werfen der Stadtverwaltung vor, sich jahrelang nicht um das marode Abflusssystem gekümmert zu haben. Bürgermeister Ron Huldai erklärte, "keine Drainage der Welt" hätte Wassermassen bewältigen können, "die einmal in 50 Jahren auftreten". Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er sei nach dem tragischen Todesfall in Kontakt mit den zuständigen Behörden, "um sicherzustellen, dass sich so etwas in Zukunft nicht wiederholen wird". Währenddessen gibt es weitere Warnungen. In Ashdod, im Süden des Landes, hatten etwa 60 000 Bewohner am Mittwochabend stundenlang keinen Strom, weil der Sturm Leitungen beschädigt hatte. Dort und in Ashkelon gab es am Donnerstag die heftigsten Überschwemmungen. Gewitter hielten auch die Nacht über in Tel Aviv an.

Im Norden und Süden des Landes blieben Schulen und Kindergärten geschlossen. In den Orten auf den von Israel besetzten Golanhöhen wurde der Unterricht abgebrochen und die Kinder nach Hause gebracht - wegen der dortigen Schneemassen. Das Skigebiet auf dem Berg Hermon und Wanderwege in weiten Teilen des Landes wurden gesperrt. Der Eisenbahnverkehr wurde nördlich von Haifa eingestellt, nachdem Bahngleise überflutet waren.

Vorsorglich riegelten Einsatzkräfte in tiefer gelegenen Gebieten Straßen ab, nachdem sie am Vortag zahlreiche Fahrer aus ihren Autos befreien mussten. Aufnahmen von Rettungsaktionen häufen sich inzwischen in den sozialen Medien. So half auch die israelische Armee bei Evakuierungsaktionen, Schüler und Kindergartenkinder mussten aus Gebäuden befreit werden, die von Wassermassen umschlossen waren. Das Militär richtete in überfluteten Straßen Shuttle-Dienste ein. Einige Israelis nutzten gar ihre Surfbretter zur Fortbewegung. Behörden und Rettungskräfte haben die Menschen in mehreren Regionen in Israel dazu aufgerufen, zuhause zu bleiben. Sie gaben Warnungen vor Überflutungen aus. und warnten wegen der zahlreichen Stromausfälle davor, Aufzüge zu benutzen. Dass es in Israel zu dieser Jahreszeit regnet, ist üblich. Aber nicht in dieser Intensität. Betroffen sind diesmal auch Wüstenregionen im Süden des Landes. Normalerweise ist man in Israel froh über Regen im Winter, er füllt die Wasserreserven auf. Der See Genezareth, dessen Wasserspiegel in den vergangenen Jahren gefährlich gesunken war, verzeichnete einen Anstieg um 23 Zentimeter binnen 24 Stunden. Am Samstag sollen Sturm und Regen nachlassen. So dramatisch diese Wetterextreme ausfallen, bislang haben sie keine Debatte über den Klimawandel ausgelöst. Er ist bisher in Israel fast kein Thema.

© SZ vom 10.01.2020
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