bedeckt München 29°

Indianer: Macht im Glücksspiel:Streit um verlorenes Land

Sie sind eine der Irokesen-Nationen und besiedelten einst den heutigen Staat New York. Die Männer waren Jäger und Händler, die Frauen betrieben Landwirtschaft. Um das Jahr 1600 bildeten sie einen politischen Bund mit anderen Irokesen-Völkern. Im 18.Jahrhundert zogen sich die meisten Mohawk auf das Gebiet des heutigen Kanada zurück, sie leben seither vor allem in Quebec und Ontario.

Viele Mohawk arbeiteten beim Bau der Wolkenkratzer in New York mit. Heute streiten sie sich mit der kanadischen Regierung um die Rückgabe ihres alten Territoriums und um Kompensation für verlorenes Land. Die Zurückhaltung der kanadischen Behörden hat in den Augen vieler Beobachter mit dem Fiasko von 1990 zu tun: Bei einer 78 Tage dauernden Konfrontation mit kämpferischen Mohawk bei Oka kam damals ein Polizeibeamter ums Leben. Niemand will offenbar diese Wunde aufbrechen oder einen potentiellen Konflikt eskalieren lassen.

In Kanada wollen nun einige Provinzen selber von dem Geschäft profitieren. So hat die Regierung von British Columbia Mitte Juli "die erste legale Glücksspielwebseite in Nordamerika" lanciert. Die Provinz Ontario plant ebenfalls ein solches Vorhaben. In Quebec werden die Behörden im Herbst eine Online-Poker-Webseite eröffnen. Die Glücksspielseite der Regierung von British Columbia musste allerdings nach wenigen Tagen wieder gestoppt werden, weil die privaten Daten und das Geld mancher Spieler nicht genügend geschützt waren. Darüber kann Chuck Barnett, einer der MIT-Direktoren, nur den Kopf schütteln. "Alle denken, es sei leicht, aber es ist harte Arbeit", sagt er. Nie habe es in Kahnawake wegen Stromausfalls oder Hackern eine Panne gegeben: "Und wir haben jeden Tag Hackerangriffe."

Der prominenteste Bürger von Kahnawake, der zweifache Olympiamedaillen-Gewinner und Kajaker Alwyn Morris, mischt ebenfalls im Online-Glücksspiel mit. Der 53-Jährige sagte einmal dem kanadischen Magazin Maclean's: "Es gibt die Vorstellung, dass wir uns nur mit Trommeln und Federn und Perlenstickerei beschäftigen sollten. Mit den Trommeln und Federn ist es schon seit Jahren vorbei." Für Alwyn Morris ist das Geschäft mit Internet-Glücksspielen der Weg der Mohawk in eine bessere Zukunft.

© SZ vom 13.09.2010

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite