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Gleichstellungsbericht des Weltwirtschaftsforums:Islands Frauen als Vorbilder

Die skandinavischen Länder stehen im Gleichstellungberichts des Weltwirtschaftsforums an der Spitze. Die Autoren des Berichts bewerten auch Deutschland überdurchschnittlich. Doch vor allem im beruflichen Leben ist der Weg zur Gleichstellung von deutschen Frauen und Männern noch weit.

Kein Land ist in Sachen Gleichstellung von Männern und Frauen so weit wie Island. Zu diesem Schluss kommt der heute veröffentlichte Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums. Weltweit hat sich die Position von Frauen im vergangenen Jahr leicht verbessert. Deutschland erreichte Platz 14 und ist damit das G20-Land, in dem die Gleichstellung am weitesten fortgeschritten ist.

Seit 2006 untersucht das Forum, inwieweit Frauen auf der Welt gleichgestellt sind. Für den jährlichen Bericht bilden die Autoren einen Index, der die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in 136 Ländern darstellt. Dabei geht es um Gehälter und Beschäftigungsquoten, den Zugang zu Bildung, die Möglichkeit zur politischen Teilhabe sowie die Themen Lebenserwartung und Gesundheit.

Vorbilder aus dem Norden

Island steht zum fünften Mal in Folge an der Spitze des Rankings, dahinter folgen Finnland, Norwegen und Schweden - seit Jahren dominieren die skandinavischen Länder das Gleichstellungsranking. Betrachtet man die isländischen Ergebnisse genauer, zeigt sich, dass die Frauen es vor allem im Bereich der politischen Teilhabe so weit wie nirgendwo sonst geschafft haben. 40 Prozent der Parlamentsmitglieder und die Hälfte der Ministerposten sind weiblich besetzt. Zudem war in 20 der vergangenen 50 Jahre eine Frau Staatsoberhaupt von Island. Auch im Bereich der Bildung konnte das Land punkten. In allen vier Unterkategorien belegt es den ersten Platz, vor allem im Bereich der Hochschulbildung zeigt sich eine Überrepräsentation des weiblichen Geschlechts. Auf 101 Frauen kommen in diesem Bildungsbereich nur 57 Männer.

Die Probleme in Deutschland sehen dagegen ganz anders aus. Gerade mal halb so viele Frauen wie Männer sitzen in deutschen Parlamenten und auf Ministerposten. Auf 70 Männer in Führungspositionen kommen 30 Frauen. Und im Bereich der gleichen Bezahlung von Männern und Frauen schafft es Deutschland gerade einmal auf Platz 93 von 136 - und liegt damit fast gleichauf mit Iran.

Deutschland liegt zwar in allen Bereichen über dem weltweiten Schnitt. Im Hinblick auf ökonomische Möglichkeiten wurde die "Gender Gap", also die Lücke, die das Maß der Gleichstellung beschreiben soll, aber größer. Der Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, sagt: "Viele Länder werden in Sachen Humankapital radikal umdenken müssen - auch darüber, wie sie Frauen in Führungspositionen integrieren." Das Umsteuern in dieser Richtung sieht Schwab nicht als Ziel für die ferne Zukunft - sondern als Muss für die Gegenwart.

Die Skandinavier können dabei als Vorbild dienen, schreiben die Autoren des Berichts. Die Gehaltsunterschiede seien sehr gering und Frauen hätten dort sehr viele Aufstiegsmöglichkeiten. Im Großen und Ganzen hätten es diese Länder geschafft, dass sich Familie und Beruf vereinbaren lassen und so in einigen Fällen sogar die Geburtenraten wieder angekurbelt.

Gleichstellung noch nirgendwo erreicht

Die letzten Plätze im Ranking belegen der Tschad, Pakistan und Jemen. Nirgendwo sonst ist die Gleichstellung so wenig fortgeschritten. Auch wenn Jemen seit dem ersten Ranking 2006 vergleichsweise große Fortschritte gemacht hat, belegt es in fast allen Kategorien einen der hinteren Plätze. So gibt es in dem Land keine weiblichen Parlamentsmitglieder und deutliche Defizite, was die Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten von Frauen angeht.

Die Autoren des Berichts betonen allerdings auch, dass kein Land der Welt die völlige Gleichstellung von Männern und Frauen erreicht hat. "Die gute Nachricht ist: Wir machen Fortschritte", sagt Co-Autorin Saadia Zahidi, "Aber nur sehr langsam."

© Süddeutsche.de/cam/feko

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