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Gibraltar:Weltgrößte Segelyacht "A" steht unter Schiffsarrest

Darf ihren Weg ins Mittelmeer vorerst nicht fortsetzen: die größte Segelyacht der Welt "A".

(Foto: AFP)
  • Die größte Segelyacht der Welt, die Sailing Yacht A, hängt derzeit in Gibraltar fest.
  • Weil ihr Eigentümer, ein russischer Milliardär, ausstehende Rechnungen nicht beglichen haben soll, hindert eine Behörde die Crew am Weiterfahren.
  • Das Schiff wurde in einer Kieler Werft gebaut und ist eigentlich auf dem Weg ins Mittelmeer.

Wer seine Ware nicht bezahlt, muss damit rechnen, dass man sie ihm wieder wegnimmt. Handelt es sich dabei um einen Apfel am Obststand, dürfte das keine schwerwiegenden Konsequenzen haben. Dem russischen Milliardär Andrej Melnitschenko hat eine gibraltarische Behörde nun aber sein neuestes und wohl größtes Spielzeug weggenommen: die Sailing Yacht A. Sie wiederzubekommen, wird kosten.

Die größte Segelyacht der Welt sollte in Gibraltar eigentlich nur zwischentanken. Aber als sie ihren Weg von der Kieler Werft ins Mittelmeer fortsetzen sollte, wurde sie beschlagnahmt und unter Schiffsarrest gesetzt.

Grund seien unbezahlte Rechnungen in Höhe von 15,3 Millionen Euro, berichtet die Zeitung Gibraltar Chronicle. Demnach hat die bermudische Firma Valla Yachts Limited, über die Auftraggeber Melnitschenko den Kauf abwickelt, die letzte Rechnung für die Yacht in Höhe von 9,8 Millionen Euro nicht an die Schiffbauer bezahlt. Zudem seien noch zwei Rechnungen über 2,9 und 2,6 Millionen Euro an Zulieferer offen. Ein Anwalt habe darum nur wenige Stunden nach dem Ablegen der Yacht beim obersten Gericht Gibraltars den Arrest beantragt. Daraufhin musste das Schiff einen Ankerplatz im Hoheitsbereich der gibraltarischen Justiz ansteuern. Wie es mit der A weitergeht, wird sich voraussichtlich am Dienstag vor dem Supreme Court klären.

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Laut Bloomberg Billionaires zählt Andrej Melnitschenko zu den acht reichsten Russen der Welt, sein Vermögen wird auf 10,6 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Sailing Yacht A hat er nach dem Anfangsbuchstaben des Namens seiner serbischen Frau Aleksandra benannt, die als Model und Sängerin einer Popgruppe bekannt wurde. Die A wurde außerdem offiziell als Quarantäne-Einrichtung anerkannt, damit Aleksandra Melnitschenkos Hund mit an Bord reisen kann.

Ungewöhnliche Maßnahme? Nicht unbedingt

Dass ein Schiff nun wegen finanzieller Forderungen festgesetzt wird, klingt auf den ersten Blick skurril. Tatsächlich führt die gibraltarische Hafenbehörde den Arrest auf ihrer Website aber als gängige Methode auf, um eventuelle Forderungen durchzusetzen. Die Verwaltung des Hafens wirbt sogar mit der schnellen und leistungsfähigen Justiz. "Wir haben einen sehr guten Admirality Marshal, der schon seit vielen Jahren in der Branche ist - so erreichen wir den höchstmöglichen Preis für das Schiff", heißt es auf der Internetseite. Auch in München war schon einmal ein Flugzeug des damaligen thailändischen Kronprinzen wochenlang festgesetzt worden, weil ein Insolvenzverwalter 20 Millionen Euro vom thailändischen Staat gefordert hatte.

Die A befindet sich seit dem 6. Februar auf dem Weg ins Mittelmeer. Als sie ihren Bauort Kiel verließ, wurde sie zunächst von zwei riesigen Elektromotoren angetrieben. Künftig soll aber vor allem der Wind die 143 Meter lange Segelyacht vorwärts bewegen. Der höchste ihrer drei Masten ragt etwa 100 Meter in die Höhe. Gerüchten zufolge soll das gigantische Schiff Melnitschenko etwa 400 Millionen Euro gekostet haben. Offizielle Angaben über den Preis gibt es nicht.

Angesichts der Gesamtsumme liegt jedoch der Verdacht nahe, dass die Zahlungsverzögerung nicht an finanziellen Schwierigkeiten des Auftraggebers gelegen hat. Er scheint seiner neuen Yacht bislang auch nicht allzu sehr entgegenzufiebern: Bei der Ausschiffung war Andrej Melnitschenko nicht einmal anwesend.

© SZ.de/vit/jab
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