Gemeinwohl-Ranking Gut für die Feuerwehr, blöd für die Kirche

Die Feuerwehr kommt im Gemeinwohlranking deutlich besser weg als die Kirche.

(Foto: Michael Reichel/dpa)

Müll, Babyhaie, Liebeskummer: Jeden Tag kommt irgendeine neue Studie heraus. Jetzt: der Gemeinwohlatlas 2019. Aber was soll das sein?

Von Martin Zips

Studien sind das Logbuch unseres Lebens. Man liest sie einfach gerne. Zum Beispiel, wenn es um Alkoholkonsum, Sex oder die Lebenserwartung geht. Die erste Studie an diesem Dienstag, das war eine Studie zum Thema Krebs. Das trübte zwar ein bisschen die Stimmung, schon bald aber liefen weitere Studien ein: etwa zu Müllvermeidung, dem Fressverhalten von Babyhaien sowie Bildungsunterschieden zwischen Stadt und Land. Die nächste Studie, es war noch nicht Mittag, befasste sich mit Liebeskummer aus Arbeitgebersicht: "Jeder sechste Arbeitnehmer" fehle auf der Arbeit, wenn er unter gebrochenem Herzen leide - ein Millionenschaden!

Es folgten Studien zur Bedeutung von Bargeld in Zeiten des Plastikgelds, zu Falschmeldungen in sozialen Netzwerken (sind gar nicht so schlimm) sowie den Nutzen der EU-Ost-Erweiterung für die bayerische Wirtschaft. Und mitten drin in der Daseins-Vermessung, da fand man plötzlich eine Perle. Etwas, das sich "Gemeinwohlatlas 2019" nannte - und das war jetzt wirklich interessant. Eine Studie, natürlich, schon zum zweiten Mal in Auftrag gegeben von zwei privaten Wirtschaftshochschulen aus Deutschland und der Schweiz. 12 000 repräsentativ ausgewählte Menschen seien dafür befragt worden, so hieß es. Das Ranking gebe Auskunft über "den gesellschaftlichen Nutzen von deutschen sowie internationalen Organisationen und Institutionen". Ranking, das ist so eine Art Hitparade. Wer vorne liegt, gewinnt.

Wie man das alles miteinander vergleichen kann? Keine Ahnung

Das "Deutsche Jugendherbergswerk" zum Beispiel hat es im Gemeinwohl-Ranking auf Platz sechs geschafft - noch vor Bundespolizei und Bundesverfassungsgericht. Gratulation! Zwar reicht das Jugendherbergswerk damit nicht an Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Deutsches Rotes Kreuz heran, doch liegt es noch ganz weit vor der Deutschen Bundesregierung (Platz 64), die witzigerweise gleich hinter Lidl und Kaufland gelandet ist (aber noch vor Borussia Dortmund). Wie man das alles miteinander vergleichen kann? Keine Ahnung. Die Forscher sprechen von einem Punktesystem. Kernaussage, aus ökonomischer Sicht: Je besser dein Image, desto mehr Geld kannst du damit verdienen. Blöd nur für die römisch-katholische Kirche. Denn die findet sich auf Platz 102, nur knapp vor dem Deutschen Fußballbund. Am weitesten abgeschlagen: Marlboro und die Bild-Zeitung.

"Was Unternehmen aus den Ergebnissen (...) ableiten, ob und wenn ja welche Handlungsfelder sie identifizieren, steht jedem offen", erklären die Macher etwas nebulös. Interpretationssache also! Hinter der Studie steht auch der Name eines milliardenschweren deutschen Familienkonzerns. Anscheinend war da ein bisschen Geld übrig.

Im Laufe des Tages gab es dann auch noch Studien zu Fertiggerichten, Logins, bezahlbarem Wohnraum, Teenager-Zufriedenheit und Fachkräftemangel im MINT-Bereich. Keine Ahnung, wer die warum in Auftrag gegeben hat. Wird sich aber sicher rechnen. Allein zu Alkoholkonsum, Sex und Lebenserwartung gab es diesmal keine Studien. Na ja, morgen vielleicht.

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