Gasleck an Bohrinsel in der Nordsee Total rüstet sich für Explosion an Elgin-Plattform

Nun also doch: Der Energieriese Total bereitet sich darauf vor, dass die leckgeschlagene Bohrinsel "Elgin" vor der schottischen Ostküste explodiert. Bisher hatte der Konzern versichert, der Ernstfall sei nicht zu befürchten. Inzwischen hat Total das Leck lokalisiert - entgegen vorherigen Vermutungen oberhalb der Wasseroberfläche.

Der französische Energieriese Total rüstet sich für eine Explosion an seiner leckgeschlagenen Gasplattform Elgin in der Nordsee. Der Konzern habe Löschschiffe an den Rand der Sicherheitszone beordert, weil das Unternehmen mit dem Ernstfall rechne, sagte ein Unternehmenssprecher. Am Mittwoch hatte das Total eine Explosionsgefahr noch ausgeschlossen.

Klicken Sie auf das Bild, um zur interaktiven Karte zu gelangen.

Nur etwa hundert Meter von der Stelle entfernt, an sich hochexplosives Methangas in die Luft absetzt, brennt eine Fackel überschüssiges Gas ab. Dem Sprecher zufolge werde die Fackel noch einige Tage brennen und dann von selbst ausgehen. Wie das Leck geschlossen werden soll, ist weiter offen. "Wir bewerten derzeit noch die Lösungen", sagte der Sprecher. Eine Entscheidung sei aber erst in einigen Tagen zu erwarten.

Sollte es tatsächlich zu einer Explosion kommen, würden nach Darstellung der Betreiberfirma keine weiteren Gaslecks entstehen. "Alle Bohrungen sind heruntergefahren und geschlossen", sagte eine Sprecherin. So würde selbst im Falle einer völligen Zerstörung der Plattform nicht an zusätzlichen Stellen Gas austreten.

Das Leck wurde mittlerweile etwa 25 Meter oberhalb der Wasseroberfläche, auf der Plattform am Kopf der Bohrung lokalisiert. Zuvor hatte der Konzern angenommen, es befinde sich 4000 Meter unter dem Meeresspiegel. "Wir kennen jetzt das Problem", sagte ein Total-Sprecher. Das Gas trete in die Luft aus und lege sich zum Teil als Kondensat auf der Meeresoberfläche ab.

Zur Lösung komme weiterhin eine Entlastungsbohrung oder das Verpressen des Bohrloches mit Schlamm in Betracht. "Wir verfolgen diese Optionen weiter parallel", sagte der Sprecher. Ob die Erkenntnis, dass das Leck nicht unterhalb des Meeresgrundes liegt, Vorteile bei möglichen Abdichtungsversuchen bringt, wollte Total nicht bestätigen.

Sechs Monate, bis das Leck geschlossen ist

Experten von Greenpeace forderten von Total Auskunft darüber, wie viel Gas noch in dem Reservoir der havarierten Plattform Elgin sei. "Was gedenken Sie jetzt zu unternehmen, wie lange müssen wir noch mit diesem Gas rechnen, und wie viel ist überhaupt noch drin?", formulierte ein Ölfachmann der Umweltorganisation die noch offenen Fragen.

Nach Angaben von Total könnte es bis zu sechs Monate dauern, bis das Leck verschlossen ist. Sollte während dieser Zeit weiter Methangas austreten, wären die Folgen für das Klima unabsehbar. Das Gas greift die Ozonschicht an und ist dabei 21 bis 23 mal schädlicher als CO2.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger forderte den Plattform-Betreiber auf, das Leck "in den nächsten Tagen zu stoppen". Die Gefahr einer Explosion könne rasch zunehmen, wenn sich die derzeit günstigen Windverhältnisse änderten, sagte Oettinger im Deutschlandfunk.

Umweltschützer haben zudem auf die drohende Gefahr einer Ölpest in der Nordsee hingewiesen. Die Organisation World Wide Fund for Nature (WWF) befürchtet, aus dem Leck an der Elgin-Plattform könne zusätzlich Öl austreten. WWF-Direktor Richard Dixon erklärte, Total müsse handeln, bevor es zu einer Ölpest mit möglicherweise katastrophalen Umweltschäden komme.

Unterdessen wurde das wirtschaftliche Ausmaß des Gaslecks für Total deutlicher. Das Unternehmen hatte nach dem Einbruch seines Aktienkurses zwischen sieben und neun Milliarden Euro Marktkapitalisierung verloren. "Das wirkt ein wenig hart", sagte der britische Analyst Jason Kenney von der Bank Santander der dpa. Die tatsächlichen Belastungen infolge der Produktionsausfälle und Reparaturkosten dürften sich nach seiner Einschätzung auf 300 bis 800 Millionen Euro belaufen.