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Galapagos-Inseln:Havarie im Paradies

Nach dem Auslaufen von über 2200 Liter Dieselkraftstoff hat Ecquador den Notstand ausgerufen.

Nach der Havarie eines Versorgungsschiffes auf der Galapagos-Insel San Cristóbal hat der südamerikanische Staat Ecuador den Notstand ausgerufen. 600 Gallonen Dieselkraftstoff, circa 2100 Liter, sind ausgelaufen. Am Sonntag Morgen war am Pier ein Kran beim Verladen eines Containers zusammengebrochen, Kran und Container stürzten auf das Versorgungsschiff, das anschließend kenterte. Ein Mensch wurde leicht verletzt, die Besatzung rettete sich mit einem Sprung ins Wasser, berichtet die Zeitung El Comercio. Der streng geschützte Archipel 1000 Kilometer vor der Küste Ecuadors ist seit 1978 Weltnaturerbe. Dem fragilen Ökosystem ist weltberühmt für seine Seelöwen, Riesenschildkröten, Meeresechsen und Blaufußtölpel. "Wir ergreifen sofortige Maßnahmen, um das Umweltrisiko nach der Havarie in San Cristóbal zu minimieren", twitterte der ecuadorianische Umweltminister Raúl Ledesma Huerta. Mit schwimmenden Ölbarrieren und ölabsorbierenden Tüchern versuchen Nationalpark-Mitarbeiter, Militär und Umweltaktivisten ein Ausbreiten des Ölteppichs zu verhindern. Norman Wray, der Premierminister des Bundesstaates Galapagos, berief einen Krisenstab. Er verhängte ein Zugangsverbot zur Unfallstelle und eine Bannmeile für Schiffe, um die Arbeiten der Helfer nicht zu behindern. Bislang seien keine verendeten oder ölverschmierten Tiere gefunden worden, heißt es in einem Kommuniqué vom Sonntag.

Doch offenbar hat der Ölteppich bereits die Playa Mann erreicht - den einzigen Strand im Stadtgebiet von Puerto Baquerizo, das schreibt SOS_Galapagos auf Twitter und fordert, das Be- und Entladen an einen anderen, sicheren Ort zu verlegen. Anwohner und die wachsende Zahl von Touristen sind angewiesen auf die Versorgungsschiffe. Nur vier der circa hundert Inseln der weit im Pazifik verstreuten Vulkaninseln sind bewohnt. Und nur auf Floreana und auf San Cristóbal gibt es je eine Süßwasserquelle. Alles Lebensnotwendige muss auf die Inseln gebracht werden. Galapagos-Expertin Beate Zwermann sagt, es sei Glück im Unglück, dass es sich bei der Orca nur um ein kleines Versorgungsschiff, und nicht um den großen Frachter handelte, der einmal im Monat zwischen dem Festlandshafen Santa Cruz und Baltra und der Insel Baltra verkehrt.

Die Havarie der Orca ist nicht der erste Schiffsunfall in der Region: Am 16. Januar 2001 lief der Öltanker Jessica nach einem Navigationsfehler vor San Cristóbal auf Grund. Er verlor dabei 900 Tonnen Kraftstoff - ein Vielfaches des Unfalls vom Sonntag.

© SZ vom 24.12.2019
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