bedeckt München

Frivoler Amerika-Gipfel:Sexskandal unter Obamas Leibwächtern

Die Teilnahme von US-Präsident Obama am Amerika-Gipfel in Kolumbien wird durch einen Sexskandal unter seinen Leibwächtern überschattet. Der Secret Service suspendierte elf seiner Mitarbeiter wegen mutmaßlicher Kontakte zu Prostituierten am Gipfelort - auch fünf Angehörige der US-Armee wurden nach Hause geschickt.

Es ist eine etwas steife Mitteilung, die der Vizechef des Secret Service, Paul Morrissey, am Samstag verkündete. Die "Natur des Fehlverhaltens in Verbindung mit einer Null-Toleranz-Politik bei persönlichem Fehlverhalten", habe zu der Entscheidung geführt, die Mitarbeiter von ihren Aufgaben zu entbinden. Doch worum geht es eigentlich?

Obama Secret Service Kolumbien Leibwächter Sex

"Obamas Bewacher wegen Prostitution aus Kolumbien ausgewiesen - Schande über die Gringos, die Lateinamerika für ein Bordell halten"

(Foto: AFP)

US-Personenschützer sollen wähernd des Amerika-Gipfels in Cartagena die Dienste von kolumbianischen Huren in Anspruch genommen haben. Der Skandal sei ins Rollen gekommen, als einer der Personenschützer eine Prostituierte nicht habe bezahlen wollen, berichtete der Fernsehsender CNN unter Berufung auf einen früheren Reporter der Washington Post und Geheimdienst-Experten, der ein Buch über den Secret Service veröffentlicht hat. Die Prostituierte sei zur Polizei gegangen.

Auch der Kommandeur des für Mittel- und Südamerika zuständigen Southern Command der US-Armee, General Douglas Fraser, musste kurz darauf einräumen, dass fünf Mitarbeiter seines Stabes in den Fall verstrickt seien. Er sei "enttäuscht über den ganzen Vorfall", wurde Fraser zitiert. Die Soldaten, die wegen des Verdachts auf "schweres Fehlverhalten" abkommandiert wurden, drohen nun Disziplinarverfahren.

Obamas Sprecher Jay Carney sagte, der Präsident habe dennoch weiterhin volles Vertrauen in den Secret Service, der vor allem für seine Sicherheit verantwortlich ist.

Die Washington Post verwies darauf, dass es zuletzt mehrfach Vorfälle mit Obamas Sicherheitsbeamten gab: So sei ein Agent nach einem Vorfall vor einem Gipfeltreffen im November auf Hawaii wegen Totschlags angeklagt worden. Ein weiterer Beamter sei bei einem Einsatz zur Vorbereitung eines Besuchs von Obama im US-Bundesstaat Iowa im August der Trunkenheit am Steuer beschuldigt worden.

Kurz nach Obamas Wahl 2009 war der Secret Service in die Kritik geraten, weil sich zwei Promijäger zu einem Dinner ins Weiße Haus eingeschlichen hatten: Ohne Einladung kamen die beiden unbehelligt durch die Sicherheitskontrollen.

Die nun betroffenen Secret-Service-Mitarbeiter wurden in die USA zurückgeschickt, vorläufig vom Dienst suspendiert und am Samstag im Hauptquartier des Geheimdienstes in Washington zu den Vorwürfen befragt. Am Gipfelort wurden sie durch andere Beamte ersetzt.

"Ich wollte beim Frühstück über Handel und Drogen sprechen, doch die anderen Delegierten wollten nur über die Geschichte mit den Agenten und den Huren reden", sagte ein lateinamerikanischer Diplomat. "Obamas Bewacher wegen Prostitution aus Kolumbien ausgewiesen - Schande über die Gringos, die Lateinamerika für ein Bordell halten und sich so benehmen", schimpfte der linke kolumbianische Kolumnist Nicmer Evans über Twitter.

© AFP/Reuters/lala/wolf
Zur SZ-Startseite