Die wichtigsten Fragen zum Eier-Betrugsskandal Täuschung der Kontrolleure

  • Wieso ist dabei nicht aufgefallen, dass die Betriebe zu viele Tiere halten?

Weil das gar nicht so leicht zu erkennen ist. Hält ein Betrieb zum Beispiel 3000 Legehennen, kommt der Kontrolleur mit dem Zählen nicht weit. Bei dem Kontrollsystem von KAT beispielsweise, dem mehr als 5000 Legebetriebe aus der EU angehören, finden deshalb regelmäßig Plausibilitätsprüfungen statt. Dabei wird kontrolliert, ob die tägliche Anzahl an gelegten Eiern zur Anzahl der Hennen passt. Bis Montag hatte KAT keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass sich unter den verdächtigen Betrieben auch ein Verbandsmitglied befindet. Man habe alle Kontrollstellen sowie die Legebetriebe aufgefordert, staatsanwaltschaftliche Ermittlungen zu melden, sagte eine Sprecherin. Sollten solche Meldungen eingehen, würden die Betriebe "aus dem KAT-System ausgeschlossen".

  • Wieso haben nicht einmal die Bio-Siegel-Kontrolleure etwas bemerkt?

Unter den verdächtigen Betrieben befinden sich auch ein paar Biohöfe. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bunds ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), vermutet, dass es sich dabei um große, industrielle Betriebe handelt, und nicht um bäuerliche. "Allerdings wird man das erst wissen, wenn die Staatsanwaltschaft darüber Auskunft gibt." Bei solchen Großbetrieben aber würden selbst Plausibilitätskontrollen an ihre Grenzen stoßen. Die Inhaber hätten oft mehrere Ställe, sodass sie bei entsprechender krimineller Energie sowohl die Anzahl der Legehennen als auch die Anzahl der produzierten Eier in ihren Unterlagen "hin- und herschieben könnten". Zwar würden große Biobetriebe bis zu vier Mal im Jahr kontrolliert, drei Mal davon unangekündigt, "doch natürlich ist es denkbar, dass auch der Kontrolleur betrogen wird", sagt Löwenstein. "Vielleicht hat der Produzent ihm nur den Kaufbeleg über 3000 Jungtiere gezeigt und verschwiegen, dass er später 300 weitere gekauft hat." Löwenstein spricht sich daher dafür aus, verstärkt betriebsübergreifend zu kontrollieren. "Man sollte häufiger nachschauen, ob die Auslieferungen der Junghennenbetriebe mit den Einkäufen der Legebetriebe übereinstimmen."

  • Wie werden die meisten Legehennen heute in Deutschland gehalten?

Die allermeisten Legehennen, nämlich 26,8 Millionen und damit 64 Prozent, leben heute in Bodenhaltung. An zweiter Stelle folgt die Freilandhaltung mit 5,4 Millionen Tieren (15 Prozent). An dritter Stelle steht die Käfighaltung mit 4,9 Millionen Tieren (13 Prozent). Dabei handelt es sich allerdings nicht mehr um die konventionellen Legebatterien, stattdessen werden die Tiere in Kleingruppen gehalten. Auf Biohöfen leben gerade mal 2,9 Millionen Tiere (8 Prozent).