Die wichtigsten Fragen zum Eier-Betrugsskandal Wie blinde Hühner

Der nächste Lebensmittelskandal erschüttert Deutschland. Diesmal geht es um Betrug bei Eiern. Auf vielen Höfen wurden weit mehr Hühner gehalten als erlaubt. Doch woran erkennt man eigentlich, aus welcher Haltungsform ein Ei stammt? Und wie schafften es die Betrüger, die Kontrolleure hereinzulegen?

Fragen und Antworten von Daniela Kuhr

Ausgerechnet Eier. Dabei waren sie bislang das einzige tierische Produkt, bei dem der Verbraucher das Gefühl hatte, er könne durch seine bewusste Kaufentscheidung dazu beitragen, dass es den Tieren besser geht: indem er auf Käfigeier verzichtet und nur noch die etwas teureren Eier aus Boden-, Freiland- oder Ökohaltung kauft. Anders als bei Fleisch- oder Milchprodukten, wo nur selten erkennbar ist, wie das Tier gelebt hat, ist bei Eiern schließlich seit 2004 alles klar und leicht verständlich auf der Verpackung angegeben. Seitdem hat der Verbraucher die Wahl. Dachte er.

Doch jetzt stellt sich heraus: Falsch gedacht. Wer mehr bezahlt hat, scheint selbst schuld gewesen zu sein. Stimmen die Annahmen der Staatsanwaltschaft Oldenburg, dann wurden Millionen Eier als Freiland-, Bodenhaltungs- oder sogar Bio-Eier verkauft, obwohl sie aus Betrieben stammten, in denen die jeweils vorgeschriebenen Platz-Standards nicht eingehalten wurden. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

  • Seit wann laufen die Ermittlungen?

Seit Oktober 2011. Inzwischen stehen mehr als 200 Betriebe im Verdacht, zu viele Legehennen auf zu wenig Platz gehalten - und somit ihre Eier falsch deklariert zu haben. Eine Gesundheitsgefahr bestand allerdings zu keinem Zeitpunkt.

  • Wurden die Verbraucher also in den vergangenen eineinhalb Jahren systematisch getäuscht?

Wohl eher nicht. Laut dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium haben die Betriebe ihre Bestände verringert, nachdem die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen aufgenommen hat. Insofern dürften zumindest die Höfe, gegen die offiziell ermittelt wird, seitdem keine falsch deklarierten Eier mehr verkauft haben.

  • Woran erkennt man, aus welcher Haltungsform das Ei stammt?

An der ersten Ziffer des Stempelcodes, der sich auf jedem Ei befinden muss. Die 0 steht für Bio-Eier, die 1 für Freilandhaltung, die 2 für Bodenhaltung und die 3 für Käfigeier. Käfigeier werden allerdings fast nur noch in Produkten wie Teigwaren oder Eiscreme verarbeitet. Bei der Boden- und der Freilandhaltung dürfen maximal neun Hühner pro Quadratmeter Stallfläche gehalten werden, bei Biobetrieben maximal sechs. Auslauf ist nur für Freiland- und Biotiere vorgeschrieben. In beiden Fällen müssen dem einzelnen Huhn vier Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen. Für Biohühner gelten darüber hinaus strengere Regeln, was das Futter anbelangt, beispielsweise darf es keine Gentechnik enthalten. Auch darf ihnen nur eine begrenzte Menge von Medikamenten verabreicht werden.

  • Wie werden die Betriebe kontrolliert?

In jedem Fall durch die zuständigen staatlichen Behörden, etwa die Veterinärämter. Hat sich ein Betrieb aber beispielsweise einem Ökoverband angeschlossen oder auch dem Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT), finden darüber hinaus regelmäßig privat organisierte Kontrollen statt.