Eisheilige:"Brutaler Wetterwechsel" zu Pfingsten

Lesezeit: 1 min

Die Eisheiligen kommen und der Deutsche Wetterdienst beschreibt den Winterrückfall zu den Feiertagen mit drastischen Worten. Die Misere im Detail.

Das war's schon wieder mit der Sonne über Deutschland: An Pfingsten wird es deutlich kälter. Der Deutsche Wetterdienst rechnet damit, dass die Temperaturen um mehr als zehn Grad sinken.

Die Eisheiligen sind da. "Und die machen ihrem Namen alle Ehre", sagt Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst, "die kältesten Tage sind leider die Feiertage." Die Temperaturen sind an Pfingsten sogar niedriger als am - allerdings sehr warmen - Heiligabend 2015. Friedrich prognostiziert einen "brutalen Wetterwechsel" zu Pfingsten. Nur der Freitag soll bei milden 20 bis 23 Grad und Sonne-Wolken-Mix noch schön werden.

Nach dem sonnig-warmen Wetter der vergangenen Tage, für das Hoch Peter verantwortlich war, rechnet Friedrich für Samstag mit kühlen Temperaturen, Bodenfrost ist möglich. Schuld am Temperatursturz ist arktische Polarluft aus Grönland, die nach Deutschland kommt. Die Temperaturen sinken dadurch tagsüber auf zwölf bis 15 Grad, in höheren Lagen auf bis zu neun Grad. In der Nacht zum Sonntag kann in höheren Lagen sogar Schneeregen fallen, dort sinken die Temperaturen auf bis zu ein Grad.

Kein Dauerregen, aber Frost

In Süddeutschland muss an den Feiertagen mit Regen und Gewitter gerechnet werden. "Aber es wird keinen Dauerregen geben", beruhigt der Experte vom Deutschen Wetterdienst, "mit der richtigen Kleidung lässt sich an Pfingsten auch draußen was unternehmen."

Am Alpenrand wird es Samstag und Sonntag am ungemütlichsten, dort kann es längere Zeit regnen. In den Alpen, im Schwarzwald und im Harz können sich sogar Schneeflocken unter die Regentropfen mischen. "Wir erleben dort einen kurzen Winterrückfall", so Meterologe Friedrich. Weil es überall zu Nacht- und Bodenfrost kommen kann, rät er Hobbygärtnern und Pflanzenfreunden, frostempfindliche Pflanzen reinzuholen.

In den vergangenen Jahren sind die Eisheiligen oft ausgeblieben und wurden bei Temperaturen von mehr als 25 Grad zwischen dem 11. und 15. Mai zu Schweißheiligen. Untersuchungen des Deutschen Wetterdienstes zeigen, dass die Häufigkeit von Kaltlufteinbrüchen Mitte Mai weiter abnimmt. Das führen Experten unter anderem auf die globale Erwärmung zurück.

Die gute Nachricht: Nach Pfingsten kommt der Sommer zurück. Mitte kommender Woche erwartet der Deutsche Wetterdienst Temperaturen von bis zu 20 Grad.

Die Eisheiligen

Als "Eisheilige" oder "gestrenge Herren" werden die Heiligen bezeichnet, deren Namenstage die katholische Kirche vom 11. bis 15. Mai feiert. Mammertus (11. Mai) war im fünften Jahrhundert Bischof im französischen Vienne. Pankratius (12. Mai) wurde ein Jahrhundert früher in Rom als Märtyrer hingerichtet und Servatius (13. Mai) war im vierten Jahrhundert Bischof im belgischen Tongern. Mit dem am 14. Mai gefeierten heiligen Bonifatius ist nicht der als "Apostel der Deutschen" bekannte angelsächsische Benediktinermönch, sondern ein gleichnamiger sizilianischer Märtyrer aus dem vierten Jahrhundert gemeint. Die einzige Frau unter den Eisheiligen, die Mailänderin Sophia (15. Mai), im Volksmund als "kalte Sophie" bekannt, starb im zweiten Jahrhundert in Rom als Märtyrerin. Eigentlich haben die besagten Heiligen nichts mit dem Wetter zu tun. Ihr Name rührt daher, dass häufig Mitte Mai eine Wetterperiode mit Zufuhr arktischer Meeresluft einsetzt, die als kritisch für die Landwirtschaft gilt. Hintergrund ist, dass sich im Mai der europäische Kontinent deutlich schneller aufheizt als das umgebende Meer. An der Grenze von Warm und Kalt entstehen Tiefdruckgebiete, die polare Kaltluft bis Mitteleuropa bringen können. An solchen Tagen droht nach den Erfahrungen der Bauern der letzte Frost und eine Gefahr für die Ernte.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema