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Diren-Prozess:Suche nach der richtigen Strafe

  • Mit einem bewegenden Auftritt von Direns Eltern begann am Donnerstag vor dem Bezirksgericht in Missoula das Verfahren zur Festsetzung des Strafmaßes für Markus Kaarma.
  • Neben Direns Eltern äußert sich auch Kaarma das erste Mal.

Am Mittwoch erst war das Urteil gefallen. Nun müssen die Richter in Missoula noch feststellen, für wie viele Jahre der Mann ins Gefängnis soll, der den 17-jährigen deutschen Austauschschüler Diren Dede in seiner Garage erschossen hat.

Mit einem bewegenden Auftritt von Direns Eltern begann am Donnerstag vor dem Bezirksgericht in Missoula in den Rocky Mountains das Verfahren zur Festsetzung des Strafmaßes für Markus Kaarma. "Vorsätzliche Tötung" hatte das Urteil der Jury am Mittwoch gelautet. Der 30-jährige Kaarma habe nicht in Notwehr gehandelt, als er am 27. April 2014 den 17-Jährigen mit einem Schrotgewehr erschoss, der sich kurz nach Mitternacht unberechtigt in Kaarmas Garage aufhielt.

Kaarma wurde in orangefarbener Gefängniskleidung und mit gefesselten Händen in den bis zum letzten Platz gefüllten Gerichtssaal geführt. Als kurz danach Direns Eltern den Saal betraten, klatschten die Zuschauer Beifall.

Auch für die Schwestern Direns ein schmerzlicher Verlust

Zuerst nahm Direns Vater Celal Dede im Zeugenstuhl Platz. Er sprach türkisch, ein Dolmetscher übersetzte. "Ein Teil unserer Familie wurde uns geraubt", sagte Celal Dede. "Unsere Träume sind zerbrochen, wir können keine Zukunftspläne mehr machen." Er schilderte die Freude der Eltern über Direns Geburt, des ersten Sohnes nach zwei Mädchen. Auch für die beiden Schwestern bedeute Direns Tod ein schmerzlicher Verlust. "In unserer Kultur ist ein Bruder etwas ganz Besonderes", sagte Celal Dede. "Er ist der Beschützer seiner Schwestern." Diren sei in den USA sehr glücklich gewesen. "Er sagte, in Missoula fühle er sich wie im Himmel. Seine Freunde liebten und respektierten ihn. Niemals hätten wir uns vorstellen können, das er ein solches Ende findet." Er sei froh, dass der Mann, der Diren tötete, nun ins Gefängnis müsse, sagte Celal Dede, "aber das bringt uns Diren nicht zurück. Wir hoffen, dass er im Gefängnis viel Zeit hat, über seine Tat nachzudenken."

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Direns Mutter Guelcin Dede schilderte, wie sie die Nachricht vom Tod ihres Sohnes erhielt. "Niemals werde ich diesen Anruf vergessen", sagte sie. "Auch meinen Feinden würde ich niemals wünschen, dass sie ein Kind verlieren." Sie habe sich schon sehr auf Direns Heimkehr gefreut, "aber dann musste ich seinen toten Körper küssen." Von Kaarma hätte sie wenigstens erwartet, dass er Direns Tod bedauern und sich entschuldigen würde. "Unsere Kinder sind ein Teil unseres Herzens", sagte Guelcin Dede; über Markus Kaarma fügte sie hinzu: "Auch wenn er unserem Sohn das Leben genommen hat, würde ich nie wünschen, dass er dasselbe erleben muss."

In Richtung von Kaarmas Mutter, die ebenfalls im Gerichtssaal sass, sagte sie: "In unserer Kultur können Eltern niemals Feinde sein. Wir haben unseren Sohn verloren, und ihrer wird ihm Gefängnis sein. Aber sie wird ihn wenigstens noch sehen können." Bei den Menschen in Missoula bedankte sich Guelcin Dede; sie hätten ihr in den Tagen des Prozesses sehr geholfen und ihr Mitgefühl ausgedrückt. "Ich danke Ihnen, ich kann nicht weiterreden", sagte sie. "Ich hoffe, Gott gibt Diren Frieden."

Markus Kaarma (Mitte) und seine Anwälte während des Prozesses.

(Foto: Kurt Wilson/AP)

Kaarma: "Wollte niemals jemanden verletzen"

Schließlich meldete sich zum ersten Mal während des Prozesses Markus Kaarma selbst zu Wort. "Ich wollte niemals jemanden verletzen", sagte er. "Es war eine so schreckliche Zeit, wir hatten solche Angst." Er spielte damit darauf an, dass vor Direns Tod zweimal Gegenstände aus seiner Garage gestohlen wurden. "Es tut mir sehr leid, dass Sie Ihren Sohn verloren haben. Es tut mir sehr leid für Diren."

Kaarmas Anwälte kündigten an, dass sie Berufung gegen den Schuldspruch einlegen wollen. In der nächsten Woche will das Gericht entscheiden, ob Kaarma noch einmal gegen Kaution auf freien Fuß kommt. Die Verkündung des Strafmaßes hat Richter Ed McLean auf den 11. Februar festgesetzt.