Debatte um Gewaltprävention:Rachemorde in den letzten Jahren rückläufig

Lesezeit: 3 min

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht deren Einsatz zur Verhinderung von Gewalttaten in oder nach Bezeihungen eher zurückhaltend. "Die GdP begleitet die Modellversuche beim Strafvollzug in Hessen und Baden-Württemberg mit sehr viel Interesse und wartet gespannt auf die Ergebnisse", sagte Rüdiger Holecek, Pressesprecher der Gewerkschaft. "Wir halten aber eine Zustimmung zum Einsatz im präventiven Bereich für eher unwahrscheinlich."

Das Land Berlin, so Holecek, sei zum Beispiel grundsätzlich gegen den Einsatz der Fußfessel. Außerdem sprenge eine Anwendung im Vorfeld einer Straftat nach Meinung der GdP den Gesetzesrahmen.

"Politik reagiert nur auf gräßliche Fälle"

Befürworter Pfeiffer sieht derzeit keine politische Mehrheiten zur Einführung der Fußfessel. "Seien wir ehrlich, dazu braucht es einen oder mehrere herausragende, gräßliche Fälle. Dann kann es sein, dass die Politik reagiert."

Zumal die Statistiken besagten, dass Morde allgemein und auch Rachemorde in den letzten Jahren rückläufig seien. "Es gibt keine Welle wachsender Gewalt gegen Ehepartner, eher das Gegenteil", sagte Pfeiffer. Dennoch sei natürlich jeder Mord einer zuviel.

GdP-Pressesprecher Holecek hält dagegen das derzeit im nordrhein-westfälischen Kreis Unna angewendete "Interventionskonzept zur Verhinderung von Gewaltdelikten" für deutlich erfolgversprechender. Dort werden Frauen, die von ihren Ex-Partnern bedroht werden, systematisch über Verhaltensweisen aufgeklärt.

In Extremfällen bewacht die Polizei die Wohnung oder rät zum Umzug. Aber auch die Männer nimmt sich die Unnaer Polizei vor. Potentielle Täter werden die Waffen abgenommen, sie werden telefonisch überwacht und notfalls eingesperrt - aber man ermöglicht ihnen auch eine Aussprache.

"Aus ihrem Käfig geholt und wachgerüttelt"

Offenbar ist das Programm höchst erfolgreich. Nach Umsetzung sank die "Zahl der versuchten und vollendeten Tötungsdelikte von 15 auf sieben Fälle pro Jahr", heißt es in der GdP-Zeitschrift Deutsche Polizei. "Es wurde keine Person mehr getötet, die zuvor eine Bedrohung angezeigt hatte."

Auch die Täter brachte man mit dem Projekt zur Einsicht. "29 von 32 befragten Tätern bestätigten, dass die polizeiliche Intervention sie zum Innehalten und Umdenken bewegt, sie 'aus ihrem Käfig geholt und wachgerüttelt' habe." So sind die Referenten der Unnaer Polizei inzwischen bundesweit unterwegs, um andere Dienststellen von ihrem Konzept zu überzeugen.

Drei Auftragskiller - vier Mordversuche

Vielleicht hätte das Unnaer Modell auch Erfolg gehabt bei einem Mann aus München, der seiner Ex-Frau gleich drei Auftragskiller auf den Hals schickte. Eine elektronische Fußfessel hätte den Täter wohl nicht von seinem Vorhaben abhalten können. Womöglich aber ein präventives Eingreifen der Polizei.

Glücklicherweise hatten aber alle vier Mordversuche der Auftragskiller keinerlei Erfolg, die Frau lebt. Der Ex-Mann sieht einer langen Freiheitsstrafe entgegen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema