bedeckt München 26°

Darmstadt:Neue Übergriffe

Nach dem Festival in Darmstadt haben sich schon über 20 Frauen wegen Übergriffen bei der Polizei gemeldet.

(Foto: Boris Roessler/AFP)

Junge Pakistaner sollen mehrere Frauen auf einem Musikfestival sexuell belästigt haben.

Bei einem inzwischen traditionellen Musikfestival in Darmstadt haben kleine Gruppen von Männern nach Darstellung der Polizei womöglich Dutzende zumeist junger Frauen sexuell belästigt. Der Polizei in Darmstadt lagen am Dienstag nach Angaben eines Sprechers 14 Anzeigen vor, von denen einige im Namen mehrerer Frauen gestellt worden seien. Insgesamt hätten sich bislang 26 Frauen gemeldet, die persönlich begrapscht und betatscht worden waren oder von Übergriffen auf Freundinnen oder Angehörige berichtet hätten, sagte ein Behördensprecher. Die Zahl der Betroffenen könnte sich noch erhöhen, die Polizei appellierte, jede betroffene Frau solle sich so schnell wie möglich melden, auch wurden Augenzeugen der Übergriffe gesucht.

Drei Besucherinnen des viertägigen Festivals rund um das Darmstädter Schloss hatten sich in der Nacht zum Sonntag an die Polizei gewandt und Anzeige wegen sexueller Nötigung gestellt. Nachdem ihre Klagen publik geworden waren, meldeten sich immer mehr Frauen bei der Behörde. Drei Tatverdächtige wurden festgenommen, sind nach Polizeiangaben inzwischen aber wieder auf freiem Fuß. Es handelt sich um Asylbewerber aus Pakistan im Alter von 28 bis 31 Jahren, die allesamt einen festen Wohnsitz hätten. Ob und was die drei zu den Anschuldigungen gesagt haben, wollte die Polizei zunächst nicht preisgeben.

Die drei Verdächtigen dürften nach Einschätzung der Ermittler aber nicht für alle Übergriffe auf Frauen verantwortlich sein. "Das halte ich für wenig wahrscheinlich", sagte Polizeisprecher Ferdinand Derigs. Wahrscheinlich seien weitere Männergruppen oder vielleicht auch Einzeltäter unterwegs gewesen und hätten Frauen belästigt, nicht nur in der Nacht zum Sonntag, sondern schon mit Beginn des Festivals am Donnerstag.

Noch vor dem Ende der Veranstaltung hatte die Polizei in Darmstadt die Anzeigen der drei Frauen publik gemacht, eine ansonsten aber positive Sicherheitsbilanz der Veranstaltung mit insgesamt rund 300 000 Besuchern gezogen, bei der Beamte auch mit sogenannten Körperkameras in zahlreichen Streifen auf dem weiträumigen Veranstaltungsgelände unterwegs gewesen waren. Die Polizei in Köln hatte die spektakulären Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht am Hauptbahnhof erst mit Verzögerung bekannt gegeben und sich zunächst zufrieden mit dem Ablauf der Feiern in der Innenstadt gezeigt. Das hatte der Behörde heftige Kritik beschert.

Seither waren Veranstalter und Sicherheitsbehörden bei Großereignissen allerorten um bessere Sicherheitsvorkehrungen bemüht. Zugleich hatten sie eingeräumt, dass ein vollständiger Schutz vor sexuellen Übergriffen in großen Menschenmengen nicht zu gewährleisten sei. Inzwischen berät der Bundestag in Berlin auch als Konsequenz aus den Kölner Vorfällen über eine baldige Verschärfung des Sexualstrafrechts.