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China:Hohe Haftstrafen für chinesische Rentnerinnen-Gang

Mit fragwürdigen Methoden trieben die älteren Frauen Schulden ein und vertrieben Mieter aus ihren Wohnungen. Jetzt müssen einige ins Gefängnis.

Denkt man an eine kriminelle Gang, fallen einem recht wahrscheinlich erst mal muskelbepackte, voll-tätowierte und grimmig dreinschauende Typen ein, und nicht unbedingt Gehstock und graue Haare. Dass aber auch Rentner - oder in diesem speziellen Fall Rentnerinnen - ziemlich viel Trouble machen können, das haben unlängst ein paar ältere Damen in China gezeigt.

Im Auftrag eines Inkasso-Unternehmens und einer Baufirma hat eine Seniorinnen-Gang nämlich mit äußerst fragwürdigen Methoden Schulden ein- und Mieter aus ihren Wohnungen vertrieben. Wie die staatliche Zeitung Pekinger Nachrichten berichtete, terrorisierten sie ihre Opfer mit andauernden Lautsprecherdurchsagen oder bespuckten sie auf offnener Straße - bis diese irgendwann einlenkten und ihre Schulden zahlten.

Einigen besonders hartnäckigen weiblichen Opfern, die sich von dem Psycho-Terror zunächst nicht einschüchtern ließen, rissen die Rentnerinnen die Kleider vom Leib, bei widerspenstigen Männern zerrissen sie ihre eigenen Klamotten und warfen ihnen sexuelle Übergriffe vor. Die Gang bestand aus rund 30 älteren Frauen, die sich beim Tanzen in den Parks der Stadt Shangqiu kennengelernt hatten. Für ihre kriminellen Dienste erhielten sie von ihren Auftraggebern umgerechnet 25 Euro am Tag sowie kostenlose Mahlzeiten.

Ein Gericht verurteilte die Gruppe jetzt wegen krimineller Machenschaften zu langjährigen Haftstrafen. Eine der Anführerinnen, Gao Yun, sagte vor Gericht, ihre Auftragsarbeit sei ein "amüsanter" Zeitvertreib gewesen. Sie hätten sich mit den Opfern lediglich einen "Krieg der Worte" geliefert und niemals auf Gewalt zurückgegriffen, verteidigte sich die blinde Seniorin. Das Gericht sah das etwas anders: Wegen Teilnahme und Führung einer kriminellen Vereinigung sowie provokanten Verhaltens verurteilte es 14 Mitglieder der Gang zu Haftstrafen von bis zu elf Jahren.

© SZ.de/afp/dit/ick
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