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BKA:Organisierte Kriminalität nimmt zu

Immer häufiger ist das Internet direktes Tatmittel. Der BKA-Chef fordert Konsequenzen.

Die organisierte Kriminalität ist in Deutschland 2017 wieder leicht gestiegen. Es bleibe, sagte Holger Münch, der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), am Mittwoch bei der Vorstellung des Lagebildes 2017, "ein unverändert hohes Bedrohungspotenzial". Seit 2013 war die Zahl der jährlichen Ermittlungsverfahren stetig gesunken. 2017 gab es im Vergleich zum Jahr davor mit 572 Verfahren ein Plus von 1,5 Prozent. Immer häufiger sei das Internet direktes Tatmittel, vor allem bei der Kinderpornografie und der Wirtschaftskriminalität. Münch forderte daher eine Rückkehr zur ausgesetzten Vorratsdatenspeicherung, diese sei in der Bekämpfung "von entscheidender Bedeutung". Zudem steige die Wichtigkeit digitaler Finanzermittlungen: "Heute lassen sich Erpresser auf verschlüsselten Wegen Bitcoins überweisen, früher versuchten die Fahnder noch, Fingerabdrücke auf dem Erpresserbrief zu finden." Münch kündigte an, die IT-Ermittlungen deutlich zu stärken, auch durch mehr Personal.

Was die Herkunft der Täter angeht, lässt sich feststellen: Organisierte Kriminalität ist meistens international. Unter den Tatverdächtigen bildeten Deutsche mit 2436 Personen die größte Gruppe, das sind 29,3 Prozent. Deutsch dominiert sei vor allem die Wirtschaftskriminalität. Ein rasch wachsendes Deliktfeld ist die Schleusung von Migranten nach Deutschland: Die Zahl der einschlägigen Verfahren stieg im Vergleich zu 2016 um 34,2 Prozent. Hauptdelikt bleibt aber der Drogenhandel (36,2 Prozent). Es folgen Eigentums- (16,4 Prozent) und Wirtschaftskriminalität (11,0 Prozent). Der registrierte Schaden lag bei rund 210 Millionen Euro, das ist deutlich weniger als 2016 (eine Milliarde Euro).

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