Bistum Limburg Schlechter Rat ist teuer

Bistum Limburg: Franz Kaspar und Franz-Peter Tebartz-van Elst

Seine Ahnin war Gründerin der "Armen Dienstmägde Jesu", er selbst ist eher bekannt für seine Liebe zu teurer Kunst, Macht und Geld. Franz Kaspar soll als Generalvikar unter Bischof Tebartz-van Elst mitverantwortlich für dessen Verfehlungen gewesen sein.

Von Matthias Drobinski

Er habe den falschen Ratgebern vertraut, sagt Franz-Peter Tebartz-van Elst, der Bischof von Limburg, wenn er erklären soll, was er falsch gemacht hat. Das hat durchaus einen Hintergrund. Tebartz-van Elst hatte einen Ratgeber, der ihn antrieb, bestärkte und immer neue Wege suchte, Finanzierung und Kosten des bis zu 40 Millionen Euro teuren Gebäudekomplexes zu verschleiern: seinen Generalvikar Franz Kaspar.

Kaspar, mittlerweile 75 Jahre alt und von seinem Posten entbunden, wird als schillernde Persönlichkeit beschrieben, als tatkräftig und als politischer Kopf, aber auch als undurchsichtig und des Prunks bedürftig. Er gehört, trotz des "a" im Namen, zu den Nachfahren der seligen Katharina Kasper, der Gründerin der "Armen Dienstmägde Jesu", eines Ordens, der heute viele Niederlassungen in Indien hat. Katharina Kasper ist die einzige selig gesprochene Frau aus dem Bistum Limburg - zu ihrem Verwandtenkreis zu gehören, das hilft der katholischen Karriere.

30 Jahre war Kaspar Direktor des St.-Vincenzstifts Aulhausen, einer Behinderteneinrichtung. 2010 gab es Vorwürfe gegen ihn, er habe dort die Aufklärung von Missbrauchsfällen behindert. Er bestritt dies. Fast ein Vierteljahrhundert vertrat Kaspar darüber hinaus die ganz oder teilweise hessischen Bistümer Fulda, Limburg und Mainz bei der Landesregierung.

Symbiose zwischen dem Älteren und dem Jüngeren

Es sind Kirchenämter, bei denen es um viel Geld und Macht geht und in denen man viele wichtige und mächtige Menschen kennen lernt, zum Beispiel Jochen Riebel, den seinerzeitigen Chef der hessischen Staatskanzlei und späteren Vorsitzenden jenes Gremiums, das den Haushalt des Bischöflichen Stuhls kontrollieren sollte. So schien es logisch zu sein, dass 2008 der neue Bischof Tebartz-van Elst den erfahrenen Kaspar zum Generalvikar, zum obersten Verwalter des Bistums, machte.

Es hatten sich damit aber wohl auch zwei Geistesverwandte gefunden, die sich gegenseitig bestärkten im Gefühl, immer im Richtigen zu leben. Es entstand eine Symbiose, bei der der Ältere den Jüngeren wohl manchmal auch instrumentalisierte.

Gäste von Kaspars Reihenhaus in Limburg erzählen, wie viele Bilder und Statuen es dort gibt - es geht der Spruch, Kaspar sei der größte Kunsthändler der Stadt gewesen. Auch galt er als der oberste Vielflieger des Bistums, gab es doch immer Ordensniederlassungen der seligen Katharina in Indien zu besuchen. Jener unselige Luxusflug mit Tebartz-van Elst zu den Armen, der öffentlich wurde, war wohl seine Idee. Kaspars Freimeilen ermöglichten das Upgrade in die First Class. Und es war Kaspar, der immer neue Möglichkeiten ersann, die Handwerkerrechnungen für den Bau auf dem Domberg zu bezahlen.

Seine Ämter ist der einst Mächtige los, Ende Januar hat er auch den Sitz im Domkapitel aufgegeben. Zu den Vorwürfen schweigt er, er hat sich zurückgezogen, ins Reihenhaus mit der Kunst, oder mal wieder nach Indien.