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Birma:In den Tempeln der zerstörten Hoffnung

Vom friedlichen Aufstand der Mönche sind nur noch Blutspuren zu sehen. Das Militär zeigt sich stärker als je zuvor. Was den Birmanen bleibt, sind allein Angst und Wut. Eine Reportage

Ein Name, den wir nicht nennen können. Eine Person, die wir nicht beschreiben dürfen. Eine Identität, die wir geheim halten müssen. So ist das in Birma. Unser Kontaktmann ist Chef einer kleinen, privaten Zeitung in Rangun, und als solcher, denkt man, müsste er eigentlich aufregende Tage hinter sich haben.

Birma, Reuters

Revolutionsversuch in Birma: Das Militärregime beging bis dato unvorstellbaren Frevel an den buddhistischen Mönchen.

(Foto: Foto: Reuters)

Stimmt, sagt unser Mann, wir nennen ihn Maung Pa, einer seiner Reporter sei von Soldaten verprügelt und ein anderer von der Polizei verschleppt worden. Er kam zurück, nach fünf Tagen. Mit Prellungen und blauen Flecken. Es muss einer schon sehr viel Leidenschaft mitbringen für den Job, wenn er in Birma Journalist wird.

Das Summen in der Seele namens Glück Als die Mönche im September auf die Straße gingen und damit begannen, das Regime herauszufordern, wusste Maung Pa, dass er keine Zeile darüber würde veröffentlichen können. Dennoch schickte er seine Reporter los, und auch ihn selber hielt es nicht am Schreibtisch. Das erste Gefühl, das Maung Pa in diesen Tagen hatte, war dieses Summen in der Seele, das man Glück nennt.

Er sah die Mönche in ihren safranfarbenen Tüchern und dachte: Es kommt etwas in Bewegung. Es war kein Übermut in ihm, kein Gedanke, dass dies den Sturz der Militärjunta bedeuten könnte. Aber vielleicht war es ja der Anfang eines Weges, und allein das machte ihn froh.

Es kam der Augenblick, als die Mönche in der University Avenue Aung San Suu Kyi, der seit Jahren in ihrem Haus eingesperrten Oppositionsführerin, gegenüberstanden, und als Maung Pa am nächsten Tag das Foto davon in einer Singapurer Zeitung sah, da freute er sich noch mehr. "Das ist ein großer Moment", dachte er, und das war fast schon mehr als der Anfang eines Weges.

Und doch ist alles schon wieder verpufft. Der Weg hat sich als die altgewohnte, lähmende, frustrierende Sackgasse entpuppt. Das Foto eines Toten, halb im Wasser liegend: Der kahl geschorene Kopf trägt Spuren von Verletzungen, der Körper ist mit blutunterlaufenen Stellen übersät. Das Tuch hat der Schlamm zu einem grauen Strang zusammengekleistert, aber man sieht noch, dass es ursprünglich mal safranfarben war.

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