Berlin Urteil gegen Marktleiter

Der Supermarkt-Filialleiter André S. steht im Berliner Landgericht neben seiner Verteidigerin.

(Foto: Paul Zinken/dpa)

Ein Obdachloser wollte eine Flasche Weinbrand stehlen. Wenige Tage später war er tot, weil der Leiter des Supermarkts Selbstjustiz betrieb. Nun ist das Urteil gesprochen.

Von Verena Mayer, Berlin

Der Leiter eines Edeka-Marktes, der einen Ladendieb so heftig getreten und geschlagen hatte, dass dieser an den Folgen seiner Verletzungen starb, wurde am Montag vom Berliner Landgericht zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Der 29-Jährige hatte im September vergangenen Jahres einen Obdachlosen beim Diebstahl einer Flasche Weinbrand ertappt und in ein Hinterzimmer gezerrt. Dort schlug er den Mann, der bereits eine Kopfverletzung hatte, mehrmals mit einem Schläge verstärkenden Quarzsandhandschuh. Der 34-jährige Obdachlose starb einige Tage später an einem Schädel-Hirn-Trauma. Es war nicht das erste Mal, dass in diesem Supermarkt Selbstjustiz geübt wurde. Der Leiter der Edeka-Filiale am Berliner Bahnhof Lichtenberg sagte vor Gericht, er sei von den vielen Diebstählen überfordert gewesen. Irgendwann sei er dazu übergegangen, Ladendiebe nicht nur bei der Polizei anzuzeigen, sondern sie auch "zu belehren". Andere Mitarbeiter gingen auf ähnliche Weise vor, wie zahlreiche Whats-App-Nachrichten belegen, die im Prozess verlesen wurden. Darin hatten der Marktleiter und seine Mitarbeiter mit ihren Attacken gegen Ladendiebe geprahlt und einander Videos und Fotos der Opfer geschickt. Verfahren gegen weitere Beteiligte sind noch offen.