Berlin Unbekannter zündet zwei Obdachlose an

  • Vor einem Berliner S-Bahnhof wurden zwei Obdachlose Opfer einer heimtückischen Brandattacke. Sie erlitten schwere Verletzungen.
  • Ein bislang Unbekannter übergoss sie mit Flüssigkeit und setzt diese dann in Brand. Passanten eilten zu Hilfe und löschten die Flammen.
  • Seit einigen Jahren verzeichnet die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe eine Zunahme der Gewalttaten gegen Obdachlose.

Am Sonntagabend zündeten einem Bericht der Bild zufolge ein Unbekannter zwei obdachlose Männer vor dem Berliner S-Bahnhof Schöneweide an. Der Verdächtige übergoss die Opfer gegen 23.05 Uhr mit einer unbekannten, brennbaren Flüssigkeit und steckte diese dann in Brand. Danach entfernte sich der Täter vom Tatort im Ortsteil Niederschöneweide im Bezirk Treptow-Köpenick. In Medienberichten war zuvor von zwei Verdächtigen die Rede, ein Polizeisprecher sagte dazu: "Wir haben nur Kenntnis von einem Täter." Das sei das Ergebnis der ersten Ermittlungen am Tatort.

Wie die Berliner Zeitung berichtet, kamen mehrere Passanten von einem gegenüberliegenden Imbiss den 47 und 62 Jahre alten Opfern mit einem Feuerlöscher zu Hilfe. Die beiden Obdachlosen erlitten lebensbedrohliche Brandverletzungen und wurden in ein Krankenhaus gebracht, wie die Berliner Polizei mitteilte. Wegen der Verletzungen konnten sie noch nicht von der Kriminalpolizei befragt werden. Das Motiv der Tat ist noch unklar, die Mordkommission ermittelt wegen des Verdachts auf ein versuchtes Tötungsdelikt. Noch in der Nacht untersuchten Experten der Kriminalpolizei den Tatort. Beamte befragten in der Nacht und am Montag die Zeugen. Die Polizei prüft, ob der Bahnhofsplatz mit Kameras überwacht wird. Falls sich der Täter im Bahnhof aufhielt, könnte er von den dortigen Kameras gefilmt worden sein.

Die Gewalt gegen Obdachlose nimmt in Deutschland seit einigen Jahren kontinuierlich zu. Das Bundeskriminalamt verzeichnet einen Anstieg der Taten von 258 im Jahr 2012 auf 592 im vergangenen Jahr. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein. Der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) zufolge sind die Täter oft selber obdachlos.

Beunruhigend ist aber auch die Zahl der Gewalttaten, die Menschen begehen, die nicht auf der Straße leben. Bei den für 2016 gezählten Delikten waren die Täter in 52 von 128 registrierten Fällen keine Obdachlosen. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und damit auch die Abwertung Obdachloser ist innerhalb der gesamtdeutschen Bevölkerung weit verbreitet.

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