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Bahnstrecke Österreich-Deutschland:Passagiere müssen Pannen-Zug anschieben

Ein Zug bleibt auf offener Strecke liegen - doch statt auf Hilfe zu warten, müssen die Passagiere selbst ran und anschieben. Der Grund für die Panne ist mindestens so absurd wie seine Folgen.

Klagen übers Bahnfahren sind mittlerweile Gemeinplätze. Aus der Masse der berechtigten und unberechtigten Beschwerden dürfte allerdings doch jener Vorfall herausragen, der sich vor kurzem nahe der deutsch-österreichischen Grenze zutrug. Da wurden die Passagiere nämlich gebeten, aus dem Zug auszusteigen und selbigen anzuschieben.

Der Grund dafür war ebenso absurd wie die Folgen: Der Zug des privaten Bahnunternehmens Meridian blieb auf offener Strecke stehen, weil er keinen Strom mehr bekam - offenbar, weil es technische Probleme im Zug selbst gab und er dann just auf dem kurzen Streckenabschnitt stehenblieb, auf dem es keine Stromversorgung gibt.

Vorfall könnte juristische Konsequenzen haben

Statt auf Hilfe zu warten, forderte der Zugführer die Fahrgäste via Durchsage auf, selbst Hand anzulegen. Immerhin hatte der kollektive Körpereinsatz Erfolg: Wenig später erreichte der Zug die rettende stromführende Strecke und rollte wieder. (Hier ein, wenn auch sehr kurzes, Video auf der Website der Tageszeitung Österreich, das beweist, dass eine Handvoll Menschen den tonnenschweren Zug tatsächlich in Bewegung setzen konnten.)

An Ländergrenzen sind solche Streckentrenner oft nötig, weil die nationalen Streckennetze unterschiedliche Grundspannungen haben. Normalerweise verursacht das keine Probleme, weil die Züge sie mit ausreichend Schwung ohne Weiteres überwinden. Der Lokführer muss nun mit juristischen Konsequenzen rechnen - wegen Gefährdung der Passagiere und weil es sich um einen schwerwiegenden Eingriff in den Schienenverkehr handelte, wie die Welt berichtet.

Bereits in der Vergangenheit kam es bei dem Bahnbetreiber wiederholt zu Pannen und Zugausfällen. Meridian hatte die Strecken von München nach Salzburg und Kufstein Ende vorigen Jahres von der Deutschen Bahn übernommen. Die Probleme beschäftigten bereits den bayerischen Landtag.

© SZ.de/sebi
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