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Baby wird in Galerie geboren:Künstliche Geburt

Alle sprechen vom "Wunder der Geburt". Eine Amerikanerin macht daraus eine Ausstellung - und bekommt ihr Baby in einer Galerie, im Beisein interessierter Besucher.

Sie sagt, Gebären sei "die höchste Form der Kunst". Grund genug für die Amerikanerin Marni Kotak die Geburt ihres ersten Babys als Life-Performance in einer Galerie zu präsentieren.

Marni Kotak, Jason Robert Bell

Das Künstler-Ehepaar Marni Kotak und Jason Robert Bell: Die Geburt ihres Babys soll ein Kunststück werden.

(Foto: AP)

Unter dem Titel "The Birth of Baby X" kündigte die Microscope Gallery in New York die ungewöhnliche Ausstellung an. Bereits Wochen vor dem Termin richtete Marni Kotak in der Galerie ein Geburtszimmer in Gestalt eines fröhlich ausgestatteten Schlafzimmers mit Meer-Szenario auf Fototapete ein. Das aufgestellte Doppelbett gehörte schon ihrer Großmutter, Videoprojektionen und Fotos zeigen Stationen aus ihrem Leben und der Schwangerschaft.

Am Dienstagmorgen war es dann soweit. Um 10.17 Uhr Ortszeit brachte die 36-Jährige in der aufgestellten Gebär-Wanne ihr Baby zur Welt. "Es ist ein gesunder kleiner Junge", teilte die Galerie mit. Baby Ajax wiege neun Pfund. Eine Hebamme und der Ehemann von Kotak, der Künstler Jason Robert Bell, begleiteten die werdende Mutter bei ihrem Kunst-Akt - und etwa 20 interessierte Galerie-Besucher. Diese seien allerdings keine völlig Fremden gewesen, berichtet die amerikanische Huffington Post. Nur Besucher, die sich wirklich für das Projekt interessiert hätten und mit denen sie bereits im Vorfeld darüber gesprochen hätte, seien anwesend gewesen, so die Online-Zeitung. Als sich das Kind ankündigte wurden die Auserwählten informiert und konnten in der Galerie der natürlichen Geburt beiwohnen.

Bereits ihre früheren Kunstprojekte zeigen sehr persönliche Einblicke in die Biographie von Kotak, schreibt die Huffington Post. Beispielsweise habe sie ihre eigene Geburt, ihre Entjungferung "in einem sonnig blauen Plymouth" und die Beerdigung ihres Großvaters als Live-Acts inszeniert.

Mit der Präsentation des Geburtsakts als "fantastische Life-Performance", die normalerweise vor den Augen der Öffentlichkeit versteckt werde, wolle Kotak die sozialen Tabus adressieren, die es im Hinblick auf den menschlichen Körper gebe.

Ihrem Sohn wolle sie mit den Jahren erzählen, dass er innerhalb einer Ausstellung geboren wurde: "Wir wollen ihm sagen, dass sein Leben ein kostbares Kunstwerk ist", so Kotak gegenüber der Huffington Post. Dieses Kunstwerk kann weiter in der Galerie bestaunt werden: Nach einem Tag Ruhepause öffnet die Microscope Gallery in Brooklyn wieder - und stellt ein Video der Geburt aus.

© sueddeutsche.de/AFP/dapd/sks/vs
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