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Babak Rafati bei Reinhold Beckmann:Zurück im Leben, zurück in der Öffentlichkeit

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Tabu-Thema Suizid: Ex-Schiedsrichter Babak Rafati zu Gast bei Reinhold Beckmann.

(Foto: dpa)

Reinhold Beckmann spricht mit dem Ex-Schiedsrichter Rafati über dessen Suizidversuch. Es ist eine wichtige Sendung, weil eine Sensibilisierung stattfindet für ein Thema, das immer noch ungern thematisiert wird. Nur: Hätte man nicht darüber sprechen können, ohne den Menschen der Öffentlichkeit zu präsentieren?

Die Frage ist verboten. Man darf sie nicht stellen, wenn da ein Mensch vor 16 Monaten versucht hat, sich umzubringen und sich nun langsam in jenes Leben zurückkämpft, das er damals hatte beenden wollen. Der versucht, die Geschehnisse zu verarbeiten, eine schlimme Krankheit zu besiegen und nun hoffentlich eine glückliche Zukunft vor sich hat.

Doch wenn man Babak Rafati da so sitzen sieht im Studio von Reinhold Beckmann, dann drängt sich diese Frage immer wieder auf. Erst vorsichtig, dann immer pochender, bis man schließlich an nichts anderes mehr denken kann als an diese Frage.

Sie lautet: Warum? Der öffentliche Druck und eine schwere Depression hatte beinahe zum Suizid eines Menschen geführt - warum gibt dieser Mensch nun ein Interview im Stern, in dem er jene anprangert, die seiner Meinung nach einen Anteil hatten daran, dass er derart verzweifelt war, dass er nicht mehr leben wollte? Warum schreibt so ein Mensch ein Buch mit dem Titel "Ich pfeife auf den Tod"? Warum setzt sich so einer in eine Talkshow?

Rafati sitzt bei Beckmann - und der fünfte Satz der Begrüßung Beckmanns lautet: "Warum?"

Doch zuerst einmal die Frage, die viel wichtiger sein sollte: Wie geht es Babak Rafati jetzt? "Es geht mir gut", sagt er, "ich bin zurück im Leben." Er sei zufrieden mit seiner Therapie, er habe seine Krankheit akzeptiert und fühle sich auf einem guten Weg. Es brauche Zeit, aber die habe er sich genommen. Man hätte in diesem Moment den Fernseher ausschalten können, denn eigentlich ist das - dass es Rafati gutgeht - alles, was einen von Rafati interessieren sollte.

Beckmann geht danach zur Warum-Frage über und setzt die öffentliche Trauerarbeit und Vergangenheitsbewältigung in Gang. Das indes ist nicht neu: Uli Borowka lieferte mit seinem Buch "Volle Pulle" eine schonungslose Aufarbeitung seiner Trinksucht als Fußballprofi, Sebastian Deisler erklärte in "Zurück ins Leben" seine Depressionen. Nun Babak Rafati.

Bei ihm sah es lange Zeit so aus, als wolle er die Geschehnisse vom 19. November 2011 in aller Stille aufbereiten. Er hatte vor der Partie zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 - die er hätte leiten sollen - einen Suizidversuch unternommen. Seine Assistenten hatten ihn rechtzeitig gefunden.