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Auszeichnung für britischen Ex-Premier:Tony Blair - Ikone der Schwulenbewegung

Überraschende Auszeichnung für den ehemaligen britischen Premierminister: Ein Schwulen-Magazin hat Tony Blair zur Galionsfigur erkoren. Dabei ist der Mann katholisch.

In der Politik dürfte Tony Blair nur noch wenige Fans haben. Die beinahe bedingungslose Gefolgschaft für US-Präsident George W. Bush und seinen Irak-Einsatz brachte dem ehemaligen britischen Premierminister den Spitznamen "Bushs Pudel" ein. Seine Umfragewerte sackten ab, sein Nachfolger war glücklos, heute sitzt in der Downing Street Number 10 ein Konservativer. Nun, Jahre nach seinem Rücktritt, gibt es plötzlich von mehreren Seiten Ehrungen für Blair.

Das Männermagazin GQ zeichnete ihn gerade als Wohltäter des Jahres aus und nun ist Blair auch noch zu "einer der größten Schwulen-Ikonen der vergangenen drei Jahrzehnte" ernannt worden. Blair ziert das Online-Cover des Magazins Gay Times. Die Zeitschrift würdigte in ihrer jüngsten Ausgabe seinen Einsatz für die Rechte Homosexueller.

Die Geschichte ist pünktlich zum 30. Geburtstag des Magazins erschienen und hat auf den ersten Blick den Beigeschmack einer PR-Aktion, die der Gay Times möglichst viel Aufmerksamkeit sichern soll. Aber das Magazin listet auch eine Reihe konkreter Verdienste auf, die sich Blair während seiner Amtzszeit (1997 bis 2007) erworben habe.

In dieser Phase wurden in Großbritannien eingetragene Partnerschaften zwischen Homosexuellen ermöglicht, das Mindestalter für einvernehmlichen Sex zwischen Homosexuellen wurde dem von heterosexuellen Paaren angeglichen und ein Gesetz abgeschafft, das öffentlichen Einrichtungen die "Förderung von Homosexualität" verbot. Blairs Status als "Botschafter für die Rechte Homosexueller" sei unbestreitbar, heißt es in der Gay Times.

Der ehemalige Chef der sozialdemokratischen Labour-Partei steht damit auf einer Liste mit anderen Prominenten wie dem Popsänger Boy George und der US-Schauspielerin Barbra Streisand, was ein wenig überrascht. Denn Blair gilt als sehr religiös, 2007 konvertierte er und bekannte sich zur katholischen Kirche, die - jedenfalls nach strenger Lehre - so ihre Probleme mit Homosexualität hat.

Der frühere Premierminister zeigte sich über die Huldigung des Magazins geehrt. Er sei stolz auf seine Arbeit für Schwulen-Rechte, die er als Teil seines politischen Erbes ansehe.